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Politik

24. November 2017 | 19:48 Uhr

Putenfleisch mit Keimen

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

BUND-Untersuchung: 88 Prozent der Fleischproben aus Discounter-Märkten verseucht

svz.de von
erstellt am 12.Jan.2015 | 16:28 Uhr

Das meiste in Deutschland verkaufte Putenfleisch ist nach einer Untersuchung des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) mit antibiotika-resistenten Keimen verseucht. Auf 88 Prozent der bei Discountern gekauften Putenfleisch-Proben seien sowohl MRSA-Keime als auch ESBL-bildende Keime nachgewiesen worden, sagte die BUND-Agrarexpertin, Reinhild Benning, gestern in Berlin. Gekauft wurde das Fleisch in Aldi-, Lidl-, Netto-, Penny- und Real-Filialen in und im Umland von zwölf großen Städten wie Berlin, Hamburg, Dresden, Hannover, Stuttgart. Insgesamt wurden bundesweit knapp 60 Proben auf antibiotika-resistente Keime getestet.

„Von 57 Proben wiesen 50 durchgängig hohe Belastungen auf“, sagte Benning. Von den sieben, die keine Belastung aufwiesen, kämen drei von Netto, zwei von Penny, sowie jeweils eine von Real und Lidl. Das Fleisch stamme von den Top-Ten der deutschen Geflügelwirtschaft wie der PHW-Gruppe, der Sprehe-Gruppe oder Heidemark. Vier weitere Fleischproben kamen aus hofeigener Schlachtung und waren unbelastet. Die Studie sei aber nicht repräsentativ, hieß es.

Über 90 Prozent der Puten erhielten während der Mast Antibiotika, kritisierte sie. Dies begünstige die Bildung antibiotika-resistenter Keime in der industriellen Putenhaltung. Mit dem Fleisch gelangten die Antibiotika-Resistenzen bis in die Küchen der Verbraucher. Insbesondere bei anfälligen Menschen könnten ESBL-produzierende Darmkeime (Extended Spectrum Beta-Lactamase) eine Behandlung mit Antibiotika extrem erschweren, MRSA-Keime (Methicillin-resistente Staphylococcus aureus) könnten schwere Infektionen auslösen. Nach Schätzungen der deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene würden in Deutschland jährlich 40 000 Menschen sterben, weil Antibiotika nicht mehr wirken, so Benning.

Der BUND-Vorsitzende Hubert Weiger sprach von einem fortgesetzten Antibiotika-Missbrauch in der Geflügelwirtschaft und forderte eine Senkung des Antibiotika-Einsatzes in der Tierhaltung um 50 Prozent. Holland, Dänemark oder Österreich hätten dies vorgemacht. Hier wurde der Einsatz vom Gesetzgeber um bis zu 75 Prozent reduziert. „Es geht also auch anders“, sagte Weiger. So dürften Tierärzte nicht mehr gleichzeitig zuständig sein für das Verschreiben und den Verkauf von Arzneimitteln – inklusive lukrativer Rabatte bei Großeinkäufen für Riesenställe. Der Verkauf müsse über eine neutrale staatliche Stelle erfolgen. Schätzungen, die von der Pharmabranche in Auftrag gegeben wurden, gehen von 900 Tonnen eingesetzten Antibiotika pro Jahr im Tierbereich aus, mit einem Umsatz von 800 Millionen Euro. Das sei mehr als doppelt soviel wie in der Humanmedizin.

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