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Pressekonferenz Donald Trump : Präsident, Putin, Prostituierte

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Der nächste US-Präsident weist Bericht über Erpressbarkeit zurück. Dossier spricht von perverser Sex-Party in Moskauer Hotel.

svz.de von
erstellt am 11.Jan.2017 | 20:54 Uhr

Das Dossier, erstellt von einem früheren britischen Geheimagenten, umfasst 35 Seiten und schlug gestern in Washington wie eine Bombe ein. Denn das Fazit des Papiers ist äußerst belastend für den angehenden Präsidenten Donald Trump. Die brisante Kernaussage, von Trump gestern empört als „Fake News“ und „totaler Blödsinn“ zurückgewiesen: Moskau habe nicht nur jahrelang den New Yorker Geschäftsmann unterstützt, sondern gleichzeitig auch kompromittierendes Material über sein Sexleben und seine Finanzen gesammelt, um ihn erpressbar zu machen.

 Die Erkenntnisse sollen von dem Ex-Agenten zunächst im Auftrag von Trumps parteiinternen politischen Gegnern und später vom Clinton-Lager gesammelt worden sein. Der Brite, früher beim Auslandsgeheimdienst MI 6 beschäftigt, gelte als „zuverlässig und kompetent“ und habe sich seiner Quellen im russischen Geheimdienst und bei Moskauer Regierungsstellen bedient, heißt es. Das Dossier war seit Monaten US-Behörden und auch einigen Medien bekannt und wurde dann letzte Woche in einer zweiseitigen Zusammenfassung von der CIA auch Präsident Barack Obama und Trump übermittelt.

Die Online-Newsseite „Buzzfeed“ stellte gestern das gesamte Material „aus Transparenzgründen“ online, damit  sich „die Bürger ihre eigene Meinung über die Anschuldigungen bilden können“. Sowohl von „Buzzfeed“ wie auch aus FBI-Kreisen war gestern zu hören, man habe die in dem Dossier enthaltenen Details bisher nicht verifizieren können.

Darunter zählt unter anderem auch die Behauptung, Trump habe 2013 in der Präsidentensuite des Moskauer „Ritz Carlton“ eine von Perversitäten geprägte Sexparty mit Prostituierten gefeiert und dabei die Frauen in ein Bett urinieren lassen, in dem auch schon einmal Barack und Michelle Obama geschlafen hätten. Da alle Zimmer der Suite mit versteckt installierten Videokameras ausgestattet gewesen seien, habe der russische Geheimdienst diesen Vorgang im Bild festhalten können. Zudem heißt es in dem Papier, Trump seien immer wieder lukrative Geschäfte angeboten worden, um Einfluss auf den Geschäftsmann zu gewinnen.

Neun Tage vor der Ablegung seines Amtseids ist die Veröffentlichung des pikanten Dossiers ein weiterer Tiefschlag für Trump, dessen überaus freundliches Verhältnis zu Wladimir Putin seit längerem für große Irritationen sorgt. Die US-Regierung hatte kürzlich das Fazit von CIA, FBI und NSA veröffentlicht, Moskau habe durch Hack-Angriffe auf Rechner der Demokraten aktiv Einfluss auf die Wahlentscheidung zugunsten Trumps nehmen wollen. Trump hatte sich dieser Ansicht jedoch stets widersetzt.

Die Meldungen über eine mögliche Erpressbarkeit sorgten nun für heftige Reaktionen beim angehenden Präsidenten. Der sich als Opfer sehende Trump sprach in mehreren morgendlichen Twitter-Botschaften zunächst von einer „totalen politischen Hexenjagd“ und „Falschinformationen“.  Die nächste Nachricht: „Russland hat nie versucht, mich zu beeinflussen! Ich habe nichts mit Russland zu tun. Keine Deals, keine Darlehen, gar nichts!“. Und: „Leben wir denn in Nazi-Deutschland?“ Auch Moskau dementierte, belastendes Material über Trump gesammelt zu haben.

Bei seiner ersten mit Spannung erwarteten und dann oft turbulenten Pressekonferenz seit dem Sommer 2016 nannte Trump in New York die Berichterstattung über das Russland-Dossier dann „Unsinn“ – und spekulierte, die US-Geheimdienste wollte ihm damit kurz vor Amtsantritt erneut schaden.

Erstmals zeigte Trump aber nach langem Zögern Bereitschaft, die Überzeugung der US-Geheimdienste zur Einflussnahme Moskaus auf die Wahl zu akzeptieren: „Ich denke, es war Russland“, so Trump, „Putin sollte das lassen.“ Allerdings seien auch andere Länder wie China  durch Cyberattacken aktiv, fügte er an. Die Auffassung Obamas und der US-Geheimdienste, Putin habe ihm mit den Cyber-Angriffen helfen wollen, bezeichnete Trump dann als positiv. „Wenn Putin mich mag, ist das doch etwas Gutes und nichts Negatives.“

Kommentar: Ein Präsident als Marionette?

Seien wir ganz ehrlich: Nach allem, was bisher über Donald Trump, seine Charakterschwächen und seinen Umgang mit Frauen bekannt geworden ist, wäre es durchaus vorstellbar, dass er sich bei seinen Russlandreisen in kompromittierende Situationen begeben hat. Und so dem Kreml dank  üblicher Bespitzelung Material geliefert hat, um ihn zu beeinflussen. Wissen ist    Macht.

Dass gestern sowohl Moskau wie auch Trump empört ein hochbrisantes belastendes Dossier als „Fake News“ zurückgewiesen haben, ist natürlich keine Überraschung. Alle Seiten wissen schließlich, wie schwierig im Geheimdienstmilieu auch für die Medien eine Beweisführung ist, was vor allem den schädlichsten Vorwurf angeht: perverse Sexparties mit Prostituierten in der Präsidentensuite eines Moskauer Luxushotels.

Zieht man die ungewöhnliche Freundlichkeit Trumps gegenüber  Putin und die Nominierung eines Putin-Freundes  als Außenminister ins Kalkül, könnte man durchaus zum Ergebnis kommen, dass gewisse Abhängigkeiten bestehen.  Es wäre für Amerika der Gau: der Präsident als Marionette einer anderen Supermacht.

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