Streitbar: Ausblick 2016 : Politik der Klangschalen

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Unruhige Zeiten, Welt aus den Fugen? Ach was! Mit der richtigen Einstellung wird alles gut. Das Mantra für 2016 lautet: Wir schaffen das!

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02. Januar 2016, 16:00 Uhr

Vertrauen Sie auf die Kraft der Suggestion? Glauben Sie, dass der Glaube tatsächlich Berge versetzen kann? Wenn nicht, und Sie - wie ich - einer dieser nüchternen Pragmatiker sind, die Fakten mehr Gewicht als Gefühlen beimessen, dann muss Sie der jüngste CDU-Parteitag eines besseren belehren. Zwei Wochen vor Weihnachten dürfte man in der Karlsruher Messehalle staunend verfolgen, wie Tausend gestandene Funktionäre einer Organisation, die sich Volkspartei nennt, auf wundersame Weise bejubeln, was nicht wenige von ihnen zuvor als fern der Wirklichkeit verspottet haben. Das politische Mantra, das uns furchtsamen Westlern die buddhistische Gelassenheit lehren soll, heißt jetzt: Wir schaffen das! Angela Merkel muss es nur oft genug wiederholen. Und schon geraten selbst Skeptiker in euphorische Schwingungen. Ängste, dass zu viel ungesteuerte Zuwanderung unser Land zu stark verändern und schwächen könnten, sind plötzlich wie weggeblasen. Ganz ohne Räucherstäbchen und Yogamatten. Omm!

Alles wird gut
Ach wie schön, dass es noch so eine Politik der Klangschalen gibt. Ping – und alles wird gut. Das brauchen wir für das neue Jahr. Einfach den festen Glauben, dass uns andere schon die Lasten abnehmen werden: Der neue Sultan von Ankara lässt nicht mehr gar so viele Flüchtlinge nach Europa (sofern wir die negative Kopfprämie pünktlich bezahlen); unsere Nachbarn wetteifern um dem Weltpokal der Humanität; und in Deutschland lösen sich die gesellschaftlichen Konflikte wie von selbst auf, weil Flüchtlinge Germanien tatsächlich vor dem Niedergang bewahren. Omm!

Alle machen mit
Die Briten haben ein Einsehen und lassen die letzten Nettozahler in der EU nicht im Stich. Die Polen weisen ihre regierenden Nationalpopulisten in die Schranken. Die Franzosen sehen ein, dass sich der Front National nicht durch die üblichen Machtspiele, sondern nur durch erfolgreiche Reformpolitik bändigen lässt. Und die Griechen machen sich endlich an die Sanierung ihres maroden Staatsgebäudes, anstatt ständig anderen, vornehmlich uns Deutschen, die Schuld für ihre Misere zuzuschieben. Ja, auch das sind nette Hoffnungen für 2016: Dass sich die Europäische Union auf ihre Werte besinnt und nicht länger zu einem System der Handaufhalter und gestrengen Bevormunder verkommt. Alle zusammen hören auf Angela Merkel und stimmen ein in das hohe Lied der Solidarität. Omm!

Zar Putin, der Gütige
So gestärkt, ist es sicher ein Leichtes, Wladimir Putin wieder demütig in die westliche Wertegemeinschaft aufzunehmen. Wir müssen einfach fest daran glauben, dass auch der neue Zar im Kreml nur Gutes will. Klar, ganz selbstlos ist dieses Vertrauen nicht. Vielleicht schafft er ja die Terrorbande, die sich Islamischer Staat (IS) nennt. Dafür ist die Krim doch kein zu hoher Preis. Nun ja, um Putin in seinem neuen Größenwahn zu bändigen, braucht es schon ein paar Klangschalen mehr. Aber das ist immer noch billiger, als Nato und Bundeswehr den sicherheitspolitischen Erfordernissen anzupassen. Mit ganz viel Beschwörung geht auch dieser Wunsch in Erfüllung. Omm!

Klima wird gerettet
So wie wir die KIimaerwärmung notfalls ganz alleine aufhalten, indem wir die Landschaft mit noch mehr Windrädern verspargeln und mit noch mehr Solarplatten vermögenden Anlegern noch fettere Renditen bescheren. Mögen die großen CO2-Sünder China und Indien ihre Bilanzen schönrechnen, wir würgen lieber die eigene Industrie ab, bevor wir auch nur einen Deut von unseren großspurigen Zusagen abrücken. Notfalls drosseln wir den Verkehr lahm und sitzen in der Kühle. Das Mantra der Zuversicht und Gelassenheit wärmt genug. Omm!

Zeitenwende
Und wenn nicht? Wenn sich die Zeitenwende doch nicht durch den festen Glauben an das Gute und Gerechte abwenden lässt? Keine Sorge. Vor allem ARD und ZDF haben die Klangschale als Erkennungsmelodie entdeckt. Wenn überhaupt über Negatives berichtet wird, dann sind die bösen Rechten Schuld. Die Polizei und Justiz sind angehalten, vor allem darauf einen strengen Blick zu haben. Unseren Geheimdiensten haben wir ohnehin die Augen verbunden und Ohren verstopft. Dafür sorgen schon der Grüne Ströbele und der Linkspolitiker Hahn im Parlamentarischen Kontrollgremium. Schließlich sind Schlapphüte so überflüssig wie Grenzen, sagt unsere fürsorgliche Abhören-unter-Freunden-geht-gar-nicht-Kanzlerin. Das ist naiv, sagen Sie? Ach was! Wir sind doch die Guten. Und die das Merkekl-Mantra vor sich hertragen, sind immerhin gut versorgt. Nächstes Ziel für 2016: Friedensnobelpreis. Zumindest für Angela Merkel. Omm!

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