Ausbildungsreform : Pflegekräfte-Mangel vorbei?

Ausbildung von Altenpflerinnen und Altenpflegern am Fachseminar für Altenpflege der Diakonie Stiftung Salem in Minden
Ausbildung von Altenpflerinnen und Altenpflegern am Fachseminar für Altenpflege der Diakonie Stiftung Salem in Minden

Bundestag hat Reform der Pflegeberufe auf den Weg gebracht. Jetzt gibt es nur noch einen Ausbildungsgang

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22. Juni 2017, 21:00 Uhr

Kurz vor Torschluss hat der Bundestag nach jahrelangem Streit die Reform der Pflegeberufe auf den Weg gebracht. „Wir werden in Zukunft mehr Pflegekräfte brauchen“, erklärte Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU). „Deshalb schaffen wir jetzt eine moderne Pflegeausbildung, die unsere Pflegkräfte besser auf die veränderten Anforderungen in der Praxis vorbereitet und mehr Berufs- und Aufstiegschancen bietet.“ Patentrezept gegen Pflegekräfte-Mangel? Hintergründe zur schwarz-roten Ausbildungsreform. Hintergründe von Rasmus Buchsteiner:

Was ist der Kern der Reform?
Die drei bisherigen Ausbildungsgänge – Kinderkrankenpflege, Krankenpflege und Altenpflege – werden zu einem zusammengeführt. In Zukunft wird es eine dreijährige Fachkraftausbildung geben, mit Unterricht an Pflegeschulen und praktischer Ausbildung etwa in Heimen oder Krankenhäusern. Die neuen Berufsbezeichnungen lauten „Pflegefachfrau“ und „Pflegefachmann“. In der neuen allgemeinen Ausbildung werden Qualifikationen zur Pflege von Menschen aller Altersgruppen vermittelt.

Sind Spezialisierungen möglich?
Ja. Bis auf weiteres haben Auszubildende die Möglichkeit, sich im dritten Jahr für einen gesonderten Berufsabschluss in der Alten- oder der Kinderkrankenpflege zu entscheiden. Nach sechs Jahren soll das System noch einmal auf den Prüfstand gestellt werden: Wenn sich mehr als 50 Prozent für die allgemeine Ausbildung entscheiden, sollen die Spezialisierungen abgeschafft werden.

Wer kann Pfleger werden?
Verlangt wird eine zehnjährige allgemeine Schulbildung. Mit Hauptschulabschluss nach der 9. Klasse ist ein Einstieg über die Ausbildungen zum Pflegeassistenten oder -helfer möglich. Die Neuerungen gelten für alle Ausbildungen, die nach dem 1. Januar 2020 begonnen werden.

Können Altenpfleger künftig auch in Kliniken arbeiten?
Ja. Das ist von der Bundesregierung auch so gewollt. Ziel ist es, die Durchlässigkeit zwischen den verschiedenen Pflegebereichen zu erhöhen.

Wird es auch ein Pflegestudium geben?
Ergänzend zur neuen Pflegeausbildung soll ein neues berufsqualifizierendes Pflegestudium angeboten werden. Bisher gab es dafür nur Pilotprojekte. Die Standards der Studiengänge sollen vereinheitlicht werden. Das Studium soll mindestens drei Jahre dauern und mit der Verleihung eines akademischen Grades enden. Nach den Plänen der Regierung sollen die Länder die Pflege-Hochschulausbildung bezahlen.

Wie wird die neue Ausbildung finanziert?

Bisher haben die Ausbildungskosten für die Pflegeberufe jährlich rund 2,4 Milliarden Euro betragen. Die Reform verursacht Mehrkosten von 322 Millionen Euro, u. a. durch eine bessere Ausstattung der Pflegeschulen. Die Mittel sollen aus regionalen Ausgleichsfonds erbracht werden, in die Krankenhäuser (57 Prozent), Pflegeinrichtungen (30 Prozent), Länder (9,0 Prozent) und gesetzliche Pflegeversicherung (3,6 Prozent) einzahlen. Pflege-Anbieter und Kliniken, die ausbilden, sollen eine Bonus-Zahlung aus dem Fonds erhalten.

Muss Schulgeld gezahlt werden?

Die Pflegeausbildung für Azubis soll komplett kostenfrei werden. Die Bundesregierung setzt darauf, dass sowohl die Ausbildungsvergütungen als auch die Bezahlung steigen.

Kommentar des Autors

Gewaltiger Schub

So umstritten diese Reform ist und so groß der Druck gerade der privaten Pflegeanbieter war, so wichtig ist es, dass der Bundestag nun endlich einen Haken drangemacht hat. Unterm Strich wird die Reform dazu führen, dass die Pflege in Deutschland professioneller wird – und hoffentlich auch besser bezahlt. Nur, wenn die Löhne stimmen, es Aufstiegsperspektiven gibt und für die Ausbildung nicht auch noch Schulgeld gezahlt werden muss, wird es genügend junge Menschen geben, die sich für die Pflege als Beruf entscheiden. Die Reform macht hier zwar keine konkreten Vorgaben, dürfte aber dazu führen, den Wettbewerb um Arbeitskräfte zu vergrößern. Nun gilt es, die Umsetzung der Reform bis 2020 sorgfältig vorzubereiten. Sie könnte einen gewaltigen Schub für die Pflege auslösen.


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