zur Navigation springen

Nach Escort-Vorwürfen : Petra Federau fliegt von AfD-Liste für Landtagswahl

vom

Partei wählt beim Sonderparteitag in Binz Petra Federau wegen parteischädigendes Verhalten ab.

Drei Monate vor der Landtagswahl hat der AfD-Landesparteitag die umstrittene Schweriner Kommunalpolitikerin Petra Federau vom aussichtsreichen Listenplatz drei für die Wahl gekippt. Nach einer hitzigen Debatte plädierten 84 von 137 anwesenden stimmberechtigten Mitgliedern in einer geheimen Abstimmung am Samstag in Binz für eine Abwahl. Zugleich bestätigte die Partei die veränderte Kandidatenliste. Der Rostocker  Holger Arppe - bislang auf Listenplatz vier - rückt wie alle nachfolgenden Bewerber um einen Platz nach oben.

Befürworter von Federaus Abwahl warfen der 46-Jährigen ein parteischädigendes Verhalten vor, indem sie bei der Nominierung im Februar verschwiegen hatte, dass sie für einen Escort-Service arbeitete, der junge Frauen auch in arabische Länder wie Abu Dhabi und Dubai vermittelt haben soll. Bekannt geworden waren die Vorwürfe durch Medienberichte.

AfD-Landessprecher und Spitzenkandidat Leif-Erik Holm kritisierte Federau, die Partei mit dem Verschweigen eines Teils ihrer Biografie getäuscht zu haben. „Es ist ein entscheidendes Kriterium im Leben, das erwähnt werden muss. Ansonsten macht man sich erpressbar.“  Er stellte klar, dass es nicht um die Tätigkeit Federaus in dem Escort-Service gehe, sondern um das Verschweigen. Das Vertrauen sei unwiederbringlich zerstört.

Federau blieb den Parteimitgliedern eine klare Antwort schuldig, räumte aber indirekt eine solche Tätigkeit ein. Sie habe nie gewollt, dass solche Dinge in die Öffentlichkeit getragen werden, sagte sie.„Jeder hat Fehler in seinem Leben gemacht.“ Zugleich attackierte sie den Landesvorstand, bewusst nach Fehlern gesucht zu haben, um die Liste zu kippen.

Federau wird dem strammen national-konservativen Flügel des Landesverbandes  zugerechnet. „Mein Herz schlägt für dieses Land, diese Nation, und dafür kämpfe ich. Bis zu meinem letzten Atemzug werde ich mich für dieses Land, diese Nation einsetzen“, sagte sie kämpferisch. Federau ist Geschäftsführerin der AfD in der Schweriner Stadtvertretung und in der Landeshauptstadt als Direktkandidatin für die Landtagswahl nominiert. Damit kann sie auch nach einer Streichung von der Landesliste zur Wahl antreten.

Befürworter ihrer Kandidatur werfen dem als eher gemäßigt geltenden Landesvorstand vor, Federau vorverurteilt zu haben. Das Rostocker AfD-Mitglied Heinrich Berkel, Anwalt von Federau, behauptete, die Escort-Vorwürfe seien von Parteimitgliedern an die Presse getragen worden. Dem Parteivorstand warf er Unprofessionalität vor.

Trotz dieser Stimmen wurde deutlich: Die Partei mit derzeit 450 Mitgliedern in Mecklenburg-Vorpommern will angesichts der guten Umfrageergebnisse von zuletzt 18 Prozent in der Öffentlichkeit nicht als zerstritten, mit parteiinternen Querelen beschäftigt wahrgenommen werden. Zu Beginn des Parteitages hatte AfD-Spitzenkandidat Holm die Mitglieder zu Geschlossenheit aufgerufen. „Gemeinsam sind wir stark und können alles ändern“, sagte er unter Beifall. Die AfD wolle als stärkste Fraktion in den Landtag einziehen.

Andere Mitglieder befürchteten so kurz vor der Wahl einen Imageschaden, wenn Federau weiter auf der Liste bleibt. „Die Sache ist zu ernst, um hier auf Befindlichkeiten Rücksicht zu nehmen“, sagte Gunter Jess aus dem Kreisverband Vorpommern-Greifswald. Der Jura-Professor Ralph Weber, der als Direktkandidat in Greifswald antritt, mahnte eine sachliche Debatte an und gegenseitige Verunglimpfungen zu lassen.

Dem Landesvorstand gelang es auch, eine komplette Neuwahl der gesamten Kandidatenliste zu verhindern. Entsprechende Anträge wurden gleich zu Beginn des Parteitages mit Mehrheit der Delegierten abgelehnt. Auch war die Parteispitze bemüht, nach außen einen transparenten Eindruck zu vermitteln. Ein Antrag Federaus, die Aussprache unter Ausschluss der Öffentlichkeit zu führen, wurde abgeschmettert. Man müsse den Kinderschuhen entwachsen und sich der Presse stellen, sagte Co-Vorsitzender Manthei. „Wir haben nichts zu verbergen.“

zur Startseite

von
erstellt am 28.Mai.2016 | 15:35 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen