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Wahlkampf der FDP : One-Man-Show: Mensch Lindner

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Die Wahlkampagne der FDP setzt ganz auf den Parteichef. Doch wird das reichen?

svz.de von
erstellt am 10.Jul.2017 | 20:30 Uhr

Christian Lindner wie ein Dressman im schnittigen Anzug, strahlend weißes Hemd, ohne Krawatte, lässig-dynamisch an die Wand gelehnt. Linder mit Schalk in den Augen von der Seite. Lindner ohne Sakko mit besinnlich gesenktem Blick. Das alles in schwarz-weiß, gestochen scharf mit kräftigen Kontrasten, der Fünf-Tage-Bart kommt bestens zur Geltung: Der FDP-Chef perfekt in Szene gesetzt von Starfotograf Olaf Heine, der schon Bono, Iggy Pop, Rammstein und andere Superstars portraitiert hatte. Ach ja, dazu kommen noch Slogans wie: „Manchmal muss ein ganzes Land vom 10er springen“ – und ungewöhnlich viel Kleingedrucktes, es soll ja auch um Inhalte gehen. So sehen sie aus, die Plakate und die Wahlkampagne, mit denen es die FDP vier Jahre nach dem Absturz zurück in den Bundestag schaffen will. Der große Medienrummel gestern bei der Präsentation auf einer High-Tech-Videowand im Museum am Brandenburger Tor zeigt es: Die Liberalen sind wieder angesagt, haben die Aufmerksamkeit auf ihrer Seite. Und das liegt vor allem an einem Mann: Christian Lindner.

Die Partei, eine einzige „One-Man-Show“, wie ihr immer wieder vorgeworfen wird? „Gegenfrage: Wie halten das CDU und SPD?“, kontert der smarte 38-Jährige gestern bissig, auch die würden schließlich nur ihre Spitzenkandidaten plakatieren. Das stimmt zwar, doch verfügen sie über Minister, prominente Abgeordnete. Bei der FDP herrscht jenseits von Lindner und Bundesvize Wolfgang Kubicki akuter Mangel an prominenten Köpfen. Schon beim erfolgreichen NRW-Wahlkampf war die Kampagne 100 Prozent auf Lindner zugeschnitten, waren alle multimedialen Register gezogen und mit einem durchgestylten Lindner-Werbefilm für viel Aufmerksamkeit gesorgt worden. Lindner hat es geschafft, die Liberalen wieder aufzurichten, ihnen ein frisches Image zu verpassen, sie für junge Menschen jenseits des Besserverdiener-Stammklientels zu öffnen, die Westerwelle- und Rösler-Jahre vergessen zu machen. In Umfragen liegt die FDP aktuell bei acht bis neun Prozent.

Ob es gelingen wird, mit den Plakaten, auf denen sich neben Lindner und den Slogans auch Kleingedrucktes findet, das Programm in den Mittelpunkt zu rücken? Die ungewöhnliche Idee sei ein bewusster Gegenentwurf zu den Mitbewerbern, erklärt FDP-Generalsekretärin Nicola Beer. „Wir wollen über Inhalte ins Gespräch kommen.“ Doch ist es natürlich Christian Lindner, der gestern wieder den inhaltlichen Akzent setzt, ein „offensives Zuwanderungsrecht“ fordert, Einwanderung auch für Menschen ohne gesicherte Arbeitsplätze ermöglichen will und sich damit weit von der Union und ihrem „Fachkräfte-Zuwanderungsgesetz“ absetzt. Dem Parteichef ist klar: Nur schöne Plakate mit seinem Konterfei werden für das Comeback der FDP nicht reichen.
 

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