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NSU Prozess : Ombudsfrau: „Natürlich hätte sie es verhindern können“

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Ombudsfrau Barbara John ist von beate Zschäpes Aussage enttäuscht.

svz.de von
erstellt am 09.Dez.2015 | 20:30 Uhr

Mit der Ombudsfrau der Bundesregierung für die Opfer der NSU-Mordserie, Barbara John, sprach Rasmus Buchsteiner.

Wie bewerten Sie die Aussage von Beate Zschäpe?
John: Beate Zschäpe hat nicht nur alles abgestritten, sondern sich quasi als elftes Opfer des Terrors dargestellt. Sie hat von sich das Bild einer Frau gezeichnet, die psychisch an ihre Freunde Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos gekettet war. Frau Zschäpe hat erklärt, auf die beiden angewiesen gewesen zu sein. Diese Aussage widerspricht vielem, was wir bisher im NSU-Prozess gehört haben. Viele Zeugen haben erklärt, dass sie die Logistikerin, die Managerin dieser Terrorzelle war.

Zschäpe hat sich „bei allen Opfern und Angehörigen von Opfern“ entschuldigt – war das das lange erwartete Zeichen von Reue?
Nein, ganz und gar nicht. In dieser phrasenhaften Form ist das keine Entschuldigung. Sie sagt, dass sie sich moralisch schuldig gemacht habe, weil sie die Taten nicht verhindern konnte. Das halte ich für unglaubwürdig. Natürlich hätte sie es verhindern können. Die Familien der Opfer haben immer gehofft, dass mehr kommt – echte Reue. Alle Erwartungen sind enttäuscht worden.
Hat die Aussage in der Substanz Neues für den Prozess gebracht?

Ich sehe keinen Punkt, der etwas verändert hätte. Immerhin haben wir jetzt in einem Punkt die Bestätigung: Sie hat erklärt, von allen Morden gewusst zu haben. Aber ihre Aussage ist widersprüchlich: Wenn sie wirklich so unter den Taten ihrer Freunde gelitten hat, hätte sie doch nach deren Selbstmord sofort einen Befreiungsschlag wagen und umfassend aussagen müssen.

Was erwarten Sie vom neuen NSU-Untersuchungsausschuss des Bundestages?
Die Rolle von V-Leuten des Verfassungsschutzes im direkten Umfeld des NSU-Trios muss genauer beleuchtet werden. Frau Zschäpe hat in ihrer Aussage unter anderem auf Timo Brandt verwiesen, einen sehr gut bezahlten V-Mann des thüringischen Verfassungsschutzes. Er soll dem Trio geholfen haben, abzutauchen und im Untergrund unentdeckt zu bleiben. Es muss herausgearbeitet werden, ob und, wenn ja, welche Mitverantwortung die Verfassungsschutzbehörden für die Morde des NSU haben.
 

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