Krise in Griechenland : Oma aus Griechenland wird nach MV geholt

Haben Familie in Griechenland: Anke und Angelis Teloudis
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Haben Familie in Griechenland: Anke und Angelis Teloudis

Angelis Teloudis lebt seit dem Studium in Deutschland und hat Familie und Freunde in Griechenland

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01. Juli 2015, 21:00 Uhr

„Nichts geht mehr. Es ist in Griechenland nicht mehr möglich, mit Paypal zu bezahlen, oder bei Amazon mit der Kreditkarte. Sowas Simples funktioniert nicht mehr“, sagt Angelis Teloudis. Er lebt seit 1970 in Deutschland. „Ich bin mit 18 zum Studium nach Hamburg gekommen und zum Arbeiten geblieben“, so der 63-Jährige, der inzwischen in Zölkow wohnt. „Meine Eltern arbeiteten als Gastarbeiter in Deutschland.“ Inzwischen ist der Diplom-Ingenieur, der als Technischer Angestellter an der Hochschule Wismar gearbeitet hat, in Rente. Seine Frau Anke und er sind noch öfter in Griechenland. Beide engagieren sich für den Tierschutz „Am 9. Juli fliege ich wieder hin“, erzählt die 57-jährige Krankenschwester.

Sorgen hat Angelis Teloudis um seine Mutter: „Da sie Gastarbeiterin in Deutschland war, bekommt sie deutsche Rente überwiesen. Ich hatte schon vor Monaten kein gutes Gefühl mehr und habe ihr geraten, das Geld abzuheben und unter ihrem Kopfkissen aufzubewahren. Ich habe keine Ahnung, ob sie das gemacht hat.“ Nun wisse die Familie nicht, wie die Oma zurechtkomme, auch wegen ihres Gesundheitszustandes. „Wer jetzt zum Arzt geht, muss bar bezahlen. Miete zahlen geht nicht. Kleine Betriebe zahlen die Gehälter traditionell in bar, was jetzt nicht mehr möglich ist. Mit griechischen Karten funktionieren nur Überweisungen innerhalb Griechenlands.“ Da Teloudis Mutter bei der deutschen AOK versichert ist, und ihre Karte bei den Ärzten nicht angenommen wird, müsse sie generell bar bezahlen. „Wir wissen nicht, ob das Geld nun reicht. Oder ob sie sich entscheiden muss, ob sie zum Arzt oder zum Einkaufen geht.“ Daher steht fest: „Wenn ich zurückkomme, dann bringe ich die Oma mit.“

Auch viele junge Leute würden das Land verlassen, wenn sie die Möglichkeit dazu haben, erzählt Angelis Teloudis. Dabei sehe die Lage in den Städten auf den ersten Blick weniger dramatisch aus. „Ich war im Mai zuletzt da“, so Anke Teloudis. „Die Cafés und Lokale sehen voll aus. Aber das sind traditionell Treffpunkte. Wasser wird umsonst ausgegeben. Also sitzen die Leute da dann stundenlang an einem Glas Wasser.“

Auch für den Tierschutz verschlimmert sich die Lage: „Die streunenden Hunde wurden von netten Leuten immer mit Küchenabfall gefüttert“, so Anke Teloudis. „Das fällt nun weg. Es werden noch mehr Tiere ausgesetzt, weil deren Halter sie sich nicht mehr leisten können.“

Die Begrenzung, 60 Euro am Tag abheben zu können, funktioniere nicht: „Nach wenigen Kunden sind die Automaten leer“, erzählt das Paar.

„Die kleinen Leute werden benachteiligt. Mit dem Euro wird das Land nicht wieder auf die Beine kommen. Aber ich glaube auch nicht, dass die Rückkehr zur Drachme hilft. Die wirtschaftlichen Bedingungen sind nicht vorhanden“, sagt Angelis Teloudis.

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