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Nach Wolfsangriffen : Nulltoleranz für Wild-West-Manier

vom
Aus der Onlineredaktion

Nach Wolfsattacken auf Nutztiere wird der Ruf nach Abschuss immer lauter. Keine Option für Bundesumweltministerin Hendricks

svz.de von
erstellt am 12.Aug.2017 | 05:00 Uhr

Tierhalter sehen ihre Herden immer mehr vom Wolf bedroht. Immer wieder kommt es zu Rissen und damit zu finanziellen Verlusten – wie in dieser Woche in MV. Nachdrücklich wird eine Abschussquote gefordert. Mit Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) sprach Tobias Schmidt sprach über die Problem-Wölfe.

Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD)
Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD)


Erstmals ist – am Schluchsee im Schwarzwald – ein toter Wolf gefunden worden, der nachgewiesenermaßen erschossen worden ist. Wie beurteilen Sie diesen Fall?
Hendricks: Wir erwarten eine sorgfältige Ermittlung der Umstände und hoffen sehr auf Aufklärung. Der illegale Abschuss eines Wolfes oder eines Luchses ist eine Straftat, die mit Geldstrafe oder sogar einer Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren geahndet werden kann. Es geht nicht, dass sich Menschen über das Gesetz erheben und damit nach Wild-West-Manier handeln.

Das Tier hat sich seit Juni in Baden-Württemberg wie ein typischer Wolf unbemerkt aufgehalten und ist nirgends aufgefallen. Hinweise darauf, dass der Wolf in der Region Nutztiere wie Schafe oder Ziegen angegriffen oder gerissen hat, liegen uns auch nicht vor.

Wölfe breiten sich in Deutschland aus, immer häufiger kommt es zu Rissen von Schafen und anderen Herdentieren. Warum sollten die Bestände nicht durch eine Abschussquote reguliert werden?
Durch Wiederholung wird diese dem bestehenden Wolfsschutz entgegenstehende Forderung wirklich nicht besser! Rechtlich ist sie ohnehin nicht haltbar. Und darüber hinaus hilft die Jagd nun einmal nicht, Risse bei Nutztieren zu vermeiden! Das Ausmaß der Schäden an Nutztieren ist weder von der Größe des Wolfsbestandes noch von der Anzahl der Nutztiere in einem Gebiet abhängig. Entscheidend ist, wie gut oder schlecht vor allem Nutztiere geschützt sind. Nutztiere werden ja vor allem – nicht nur – dort vermehrt gerissen, wo Wölfe neue Territorien besiedeln und die Tierhalter sich noch nicht auf die Anwesenheit von Wölfen eingestellt haben.

Welche Maßnahmen schlagen Sie vor, um den Weidetierhaltern zu helfen?
Die existierenden Angebote zum Herdenschutz sind und bleiben zurzeit die Mittel der Wahl. Dazu gehört die Förderung durch die Länder für wolfssichere, elektrisch geladene Schutzzäune und für Herdenschutzhunde für Schafe. Einen 100-prozentigen Schutz kann es aber nicht geben. Es wird immer wieder zu Nutztierrissen kommen, an denen auch eine Bejagung nichts ändern würde. Wölfe, die wiederholt Herdenschutzmaßnahmen überwinden und Tiere reißen oder sich gegenüber Menschen besonders distanzlos zeigen, können schon jetzt erschossen werden.

Eine Gefahr für den Menschen durch die Wölfe gibt es nicht?
Ich wäre wohl töricht, diese Gefahr rundherum zu verneinen. Wir sprechen immerhin von einem Raubtier. Aber seit es den Wolf in Deutschland wieder gibt, hat es keinen Angriff auf einen Menschen gegeben. Gefährlich für den Menschen sind sie dann, wenn sie sich in irgendeiner Weise bedroht fühlen. Wenn ein Wolf einen Menschen beobachtet, durch ein Dorf läuft oder ein dicht vorbeifahrendes Auto ignoriert, bedeutet das nicht automatisch, dass eine Gefahrensituation vorliegt. Zur Vorsorge gehört daher auch: Dem Wolf aus dem Weg gehen, ihn nicht provozieren und auf keinen Fall füttern. So verhalten wir uns ja auch, wenn wir einem Wildschwein begegnen.

 

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