Nordosten droht tiefe Kluft bei Versorgung mit schnellem Internet

svz.de von
14. Dezember 2013, 00:35 Uhr

Mecklenburg-Vorpommern droht bei der Versorgung mit schnellem Internet eine tiefe Kluft zwischen Städten und ländlichen Regionen. Das wurde in Neubrandenburg bei einer Tagung der Industrie- und Handelskammern im Nordosten zur Breitbandversorgung deutlich. „Wirtschaftlichkeit ist beim Ausbau des Netzes oberstes Gebot“, sagte Torsten Freiberg, Regionalleiter der Deutschen Telekom. Man müsse abwägen zwischen dem technisch Möglichen und dem wirtschaftlich Machbaren. Der Hauptgeschäftsführer der IHK in Neubrandenburg, Torsten Haasch, forderte, dass die Internetversorgung von Kommunen künftig mit der gleichen Priorität vorangetrieben wird wie die Straßen-, Energie- und Wasserversorgung.

„Wie wichtig die Versorgung mit Internet ist, haben aber noch nicht alle Kommunen erkannt“, meinte Bernd Holter, der Leiter des Breitbandkompetenzzentrums Mecklenburg-Vorpommern. Wegen der dünnen Besiedlung müsse der Netzausbau in vielen Regionen mit mehr als 80 Prozent gefördert werden, was vor allem die Kommunen organisieren müssten. In vielen Regionen Mecklenburg-Vorpommerns – außer in den größeren Städten – wird derzeit nur die Grundversorgung gewährleistet. An der Grenze zu Polen ist auch das nicht überall gegeben.

„Wenn wir auf 16 Mbit/s gehen, sind die weißen Flecken schon deutlich größer“, sagte Holter. Bei 50 Mbit/s – wie von der Bundesregierung bis 2018 angestrebt – seien fast nur die größeren Städte versorgt. Nach Angaben der IHK bräuchten aber Firmen immer größere Datenmengen, so dass auch mit Glasfaserkabel ausgestattete Gewerbegebiete wie in Trollenhagen und Waren (Kreis Mecklenburgische Seenplatte) an ihre Kapazitätsgrenzen stießen, weil die Gebiete geplant worden waren, als die rasante Internetentwicklung so noch gar nicht absehbar war.

„Das Problem ist, dass wir uns gerade zwischen zwei EU-Förderperioden befinden“, erläuterte Holter. So griffen 2014 andere EU-Regelungen, beispielsweise bei Ausschreibungen solcher Leistungen. Der Internetausbau spiele auch in den Berliner Koalitionsverhandlungen eine wichtige Rolle. So hat sich eine Arbeitsgruppe von SPD, CDU und CSU darauf verständigt, eine Milliarde Euro zusätzlich für den Breitbandausbau einzuplanen.

Die Telekom und die Vodafone GmbH kündigten für die nächsten Jahre einen weiteren Ausbau ihrer Netze an. „Bei uns sind 2014 Greifswald, Stralsund, Barth, Ribnitz-Damgarten, Rostock und Schwerin dran“, erklärte Freiberg. Diese Städte hätten sich sehr kooperativ gezeigt, beispielsweise beim Baurecht. Neubrandenburg habe einen Ausbau durch die Telekom abgelehnt, dort betreiben die Stadtwerke ein eigenes Netz.

Vodafone werde in den nächsten Jahren wieder verstärkt neue Masten zur Internetversorgung aufstellen, sagte ein Firmensprecher. Der Bürgermeister von Waren, Günter Rhein (SPD), kritisierte, dass die Schweriner Landesregierung keine eindeutige Strategie zum Ausbau der Internetversorgung verfolge.

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