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Belastete Eier : Noch keine Entwarnung

vom
Aus der Onlineredaktion

Bundeslandwirtschaftsminister fordert schnelle Aufklärung. Kritik von den Grünen

svz.de von
erstellt am 04.Aug.2017 | 21:00 Uhr

Belastete Eier – jetzt auch in Mecklenburg-Vorpommern. Tobias Schmidt sprach mit Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU).

Der Skandal um giftbelastete Eier weitet sich offenbar aus, von zehn Millionen Eiern ist die Rede. Ist das Problem unter Kontrolle?
Schmidt: Zunächst muss ich noch einmal betonen, dass ich von allen zuständigen Behörden eine zügige und lückenlose Aufklärung des Sachverhalts erwarte. Der rechtswidrige Einsatz des Insektizids Fipronil bei der Haltung lebensmittelliefernder Tiere ist nicht hinnehmbar und muss unverzüglich beendet werden. Daran muss auf allen Ebenen konsequent und mit Hochdruck gearbeitet werden. Die Risikobewertung des Bundesinstituts für Risikobewertung kommt zwar zu dem Schluss, dass eine gesundheitliche Gefährdung praktisch ausgeschlossen ist. Trotzdem ist es, solange der Sachverhalt nicht vollumfänglich aufgeklärt ist, zu früh, um eine Entwarnung zu geben.

Aldi hat sämtliche Eier aus dem Verkehr gezogen. Übertriebener Schritt oder eine notwendig?
Der Handel hat genauso wie die Hersteller dafür Sorge zu tragen, dass die verkauften Produkte verkehrsfähig und gesundheitlich unbedenklich sind. Wenn bei Eiern der Rückstandshöchstgehalt von 0,009mg/kg überschritten ist, sind diese nicht verkehrsfähig. Unbelastete Eier können jedoch verkauft und verzehrt werden.

Droht nun ein Eier-Engpass in Deutschland?
Die Marktlage für Eier ist derzeit unübersichtlich. Insbesondere die Maßnahmen großer deutscher Discounter sorgen für Turbulenzen am Eiermarkt. Es gibt zum jetzigen Zeitpunkt jedoch keine Anzeichen für einen Versorgungsengpass in Deutschland.

Produkte wie Nudeln und Kuchen, in denen Eier verarbeitet worden sind, könnten belastet sein.
Für verarbeitete Lebensmittel gelten die dieselben Rückstandsvorgaben wie bei den Eiern selbst. Die Länder haben den Bereich der weiterverarbeiteten Eier im Blick. Sie stellen weitere Untersuchungen zu Warenströmen an.

Der Verzehr der belasteten Eier sei nicht gefährlich, erklärt das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR). Wird hier abgewiegelt?
Wenn Sie auf die Äußerungen von Frau Göring-Eckardt in Ihrer gestrigen Ausgabe anspielen, kann ich Ihnen nur sagen: Wenn Frau Göring-Eckardt ernst zu nehmende Hinweise hat, dass an irgendeiner Stelle nicht sauber gearbeitet wurde, dann bitte ich darum, mich in Kenntnis zu setzen, damit wir diesen Hinweisen nachgehen können. Ich persönlich halte es für nicht angezeigt, mit diesem Thema Wahlkampf zu machen.

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Der deutsche Eiermarkt in Zahlen

- 2016 wurden hierzulande nach Angaben der Bonner Marktinfo Eier und Geflügel (MEG) 13,1 Milliarden Konsumeier produziert. Das Statistische Bundesamt, das nur die Höfe mit mehr als 3000 Hennenhaltungsplätzen zählt, kommt auf knapp 12,0 Milliarden Eier.

- 63 Prozent stammten aus Bodenhaltung, 17 Prozent aus Freiland- und jeweils 10 Prozent aus Bio- und Kleingruppenhaltung.

- Deutschland versorgte sich zu 67,3 Prozent aus eigener Produktion.

- Knapp sieben Milliarden Eier wurden importiert, davon knapp fünf Milliarden aus den Niederlanden.

- Pro Kopf wurden im vergangenen Jahr 235 Eier verbraucht.

Kommentar “Der nächste Weckruf“ von Tobias Schmidt

Es ist der nächste Weckruf für die Nahrungsmittelindustrie in Europa. Bis zu zehn Millionen verseuchte Eier sind aus den Niederlanden nach Deutschland gelangt, auch verarbeitete Produkte sollen belastet sein, es herrschen Sorge und Verunsicherung. Es ist alarmierend, dass der offenkundige Betrug bei der Zusammensetzung eines Reinigungsmittels durch einen Hersteller zu Verunreinigungen in solch gigantischem Ausmaß führt, ja überhaupt führen kann. Hier muss dringend aufgeklärt und hinterfragt werden, wie diese Abhängigkeit entstehen konnte, die nun auch zu drastischen Verlusten der Betriebe in Deutschland führen wird. Wirklich wundern dürfen sich die Verbraucher indes nicht, dass es in der industrialisierten Massentierhaltung zu Skandalen kommt: Lebensmittel zu Billigstpreisen – das rentiert sich für die Hersteller nur, wenn alle Möglichkeiten ausgeschöpft werden, die Kosten zu drücken und die Produktion zu maximieren.

Politische Vorstöße zu einer Agrarwende, die regionale Produktion in den Mittelpunkt rückt, werden aus Angst vor dem Zorn der Verbraucher über steigende Preise erstickt. Allzu große Hoffnung, der neue Skandal werde daran etwas ändern, sollte sich niemand machen.

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