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Sexuelle Identität in der Bundeswehr : „Nicht das Thema Nummer Eins“

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Wirbel um Bundeswehr-Kongress zum Umgang mit sexueller Identität in der Truppe. Kritik an Verteidigungsministerin von der Leyen

svz.de von
erstellt am 12.Jan.2017 | 21:00 Uhr

Sex-Seminar bei der Truppe? General Harald Kujat wundert sich. „Es ist mir nicht klar, was der Sinn dieser Veranstaltung ist. Mir ist nicht bekannt, dass Homosexuelle in den Streitkräften diskriminiert werden“, erklärt der frühere Generalinspekteur der Bundeswehr gestern im Gespräch mit unserer Redaktion. Die Bundeswehr sei „offen für alle“, versichert er und reagiert auf Pläne von Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen, die für mehr sexuelle Vielfalt in der Bundeswehr wirbt.

Die CDU-Politikerin lädt für den 31. Januar zu einem Workshop zum Thema „Umgang mit sexueller Identität und Orientierung in der Bundeswehr“ ein und wird diese selbst mit einer Rede eröffnen. Ziel sei es, die Bundeswehr vielfältiger und bunter zu machen, für sexuelle Randgruppen wie Homosexuelle, Bisexuelle und Transgender stärker zu öffnen.

Bei der CSU hält man wenig von der Veranstaltung: „Ich habe bisher nicht den Eindruck gehabt, dass diese Fragen unseren Soldatinnen und Soldaten besonders auf der Seele brennen. Es gibt wichtigere Themen in der Truppe“, erklärte CSU-Wehrexperte Florian Hahn gestern.

Neben von der Leyen werden laut Programm auch der Generalinspekteur der Bundeswehr, Volker Wieker, der Wehrbeauftragte des Deutschen Bundestages, Hans-Peter Bartels, und ein Sexualtherapeut der Bundeswehr auftreten.

Gewinnt die Truppe durch mehr sexuelle Vielfalt bei den Soldatinnen und Soldaten an Attraktivität? Von der Leyen verweist darauf, dass die Truppe sich nach dem Ende der Wehrpflicht als ein wettbewerbsfähiger, flexibler und moderner Arbeitgeber aufstellen und dabei alle gesellschaftlichen Gruppen ansprechen müsse. Laut Verteidigungsministerium sind rund 17 000 Homosexuelle, Bisexuelle und Transgender im Dienst der Bundeswehr.

Kaum war die Ministerin im Amt, hatte sie eine große Attraktivitätsoffensive angekündigt, um gegen die Nachwuchsprobleme der Truppe zu kämpfen. Damals hagelte es Kritik bis hin zu Spott. Von „Schöner Wohnen bei der Bundeswehr“ war die Rede, als von der Leyen ihre Pläne der Modernisierung der Kasernen und Stuben vorstellte.

Ursula von der Leyen wollte nicht nur die Kasernen aufpolieren, sondern die gesamte Truppe attraktiver machen und dafür hundert Millionen Euro investieren, um die Arbeitsbedingungen zu verbessern und die Armee familienfreundlicher zu machen, die Vereinbarkeit von Familie und Dienst zu verbessern. Von der Leyen will mehr Kitas, die, falls nötig, auch in Kasernen eingerichtet werden. Den Frauenanteil möchte die Ministerin auf 15 Prozent erhöhen. Auch bessere Aufstiegs- und Karrieremöglichkeiten gehören zum Paket.

 

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