Beziehung Polen-Deutschland : Neues altes Feindbild Deutschland

<p>Die schärferen Töne zwischen Warschau und Brüssel prägten die Titelseiten mehrerer polnischer Nachrichtenmagazine. „Sie wollen Polen wieder kontrollieren“ titelte das Magazin „Wprost“ über eine Illustration, die unter anderem Bundeskanzlerin Angela Merkel, EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker und EU-Parlamentspräsident Martin Schulz, teils uniformiert, über eine Karte gebeugt zeigt. Das Bild mit der Europafahne im Hintergrund erinnert an Aufnahmen aus dem Hitler-Hauptquartier im Zweiten Weltkrieg.</p><p>Noch weiter zurück in die Vergangenheit greift das nationalkonservative Magazin „wSieci“, das unter dem Titel „Komplott gegen Polen – von Zarin Katharina bis Merkel“ an die polnischen Teilungen im 18. Jahrhundert erinnert. Damals wurde Polen zwischen Österreich, Preußen und Russland aufgeteilt.</p>

Die schärferen Töne zwischen Warschau und Brüssel prägten die Titelseiten mehrerer polnischer Nachrichtenmagazine. „Sie wollen Polen wieder kontrollieren“ titelte das Magazin „Wprost“ über eine Illustration, die unter anderem Bundeskanzlerin Angela Merkel, EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker und EU-Parlamentspräsident Martin Schulz, teils uniformiert, über eine Karte gebeugt zeigt. Das Bild mit der Europafahne im Hintergrund erinnert an Aufnahmen aus dem Hitler-Hauptquartier im Zweiten Weltkrieg.

Noch weiter zurück in die Vergangenheit greift das nationalkonservative Magazin „wSieci“, das unter dem Titel „Komplott gegen Polen – von Zarin Katharina bis Merkel“ an die polnischen Teilungen im 18. Jahrhundert erinnert. Damals wurde Polen zwischen Österreich, Preußen und Russland aufgeteilt.

Polen ärgern sich über Kritik. Angela Merkel wird wieder mit Hitler verglichen. Die Regierungen wollen jetzt mehr miteinander reden.

svz.de von
11. Januar 2016, 21:00 Uhr

Das polnische Nachrichtenmagazin „Wprost“ hat diese Woche Angela Merkel auf dem Titel. Oder zumindest den Kopf der Kanzlerin. Denn alles unterhalb der Halskante lässt sich ziemlich eindeutig Adolf Hitler zuordnen: die Uniform, die Feldherrnpose, die Karte des Generalstabs auf dem Tisch. Und auch die vier Herren um Merkel herum haben zwar die Gesichter von heutigen EU-Politikern, aber die Körper von Wehrmachts-Generälen. Schlagzeile dazu: „Sie wollen Polen wieder kontrollieren“.

Es ist eine Fotomontage, die Erinnerungen weckt. An die Nazi-Zeit natürlich, unter der Polen besonders schlimm zu leiden hatte. Aber irgendwie auch an die zweite Hälfte des vergangenen Jahrzehnts, als die Brüder Lech und Jaroslaw Kaczynski in Polen die Politik bestimmten und Nazi-Vergleiche von deutschen Politikern schon einmal populär waren: Merkel bekam dort schon 2007 Hitler-Bärtchen verpasst, als in Griechenland und anderswo noch niemand an so etwas dachte.

Heute wird das alte Feindbild wieder gepflegt. Nach dem Wahlsieg von Jaroslaw Kaczynski nationalkonservativer Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS) – dessen Bruder Lech kam 2010 als Präsident bei einem Flugzeugabsturz ums Leben – im November ist das Verhältnis zwischen Warschau und Berlin gerade wieder ziemlich angespannt.

Die neue Regierung im Nachbarland ist über die Kritik von deutschen Politikern an ihrem Kurs – insbesondere an Neubesetzung des Verfassungsgerichts und neuem Mediengesetz – schwer verärgert. Vom 25. Jahrestag des deutsch-polnischen Nachbarschaftsvertrags, der 2016 eigentlich gefeiert werden könnte, redet derzeit niemand.

Wegen „antipolnischer Äußerungen deutscher Politiker“ wurde Deutschlands Botschafter Rolf Nikel gestern sogar zum Gespräch ins Außenministerium gebeten. Für Empörung sorgte insbesondere EU-Parlamentspräsident Martin Schulz (SPD), der mit Blick auf Polen am Wochenende von einer „gelenkten Demokratie nach Putins Art“ gesprochen hatte. Aber auch die Kritik des deutschen EU-Kommissars Günther Oettinger (CDU) am Mediengesetz kam schlecht an.

Nach dem Termin waren beide Seiten allerdings bemüht, den Schaden zu begrenzen. Polens Außenminister Witold Waszczykowski versicherte: „Die deutsch-polnischen Beziehungen sind nicht angespannt. Also muss man sie auch nicht besänftigen.“ Zugleich riet er Deutschlands Politikern aber auch, wieder häufiger nach Warschau zu kommen. Dann würden sie sehen, „dass der Stand der Demokratie in Polen nicht so schlecht ist, wie es aus der Ferne erscheint.“ Von deutscher Seite war nach dem Treffen von einem „sehr konstruktiven Gespräch“ die Rede. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier ließ ankündigen, in „sehr naher Zukunft“ nach Warschau zu reisen. Der SPD-Mann hatte schon Ende vergangenen Jahres empfohlen: „Wir sind sehr gut beraten, wenn wir gerade jetzt mit unseren politischen Nachbarn sprechen und nicht über sie.“ Es ist ein Satz, den man in solchen Situationen häufiger hört.

Allerdings ist es nun nicht eben so, dass die Polen derzeit besonderen Wert aufs Gespräch und Reisen nach Berlin legten. Auf den Antrittsbesuch von Ministerpräsidentin Beata Szydlo wartet man dort noch immer.

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