Verteidigungsministerium : Neuer Blick auf Bundeswehr

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Hellmut Königshaus, Wehrbeauftragter des Deutschen Bundestages, über die neue Verteidigungsministerin

svz.de von
17. Dezember 2013, 00:35 Uhr

Mit Ursula von der Leyen steht zum ersten Mal eine Frau an der Spitze der Bundeswehr. Darüber sprach Andreas Herholz mit Hellmut Königshaus, Wehrbeauftragter des Deutschen Bundestages.

Ist Ursula von der Leyen eine gute Wahl für den Posten der Bundesverteidigungsministerin?
Königshaus: Das ist ein Signal, dass jetzt auch bei der Bundeswehr die Normalität eintritt, die es andernorts längst gibt. Und es ist sicherlich ein Signal an die Frauen. Die Bundeswehr wird auf Dauer nicht ohne einen höheren Anteil an Frauen auskommen. Es tut der Bundeswehr heute schon sehr gut, dass sie Frauen in ihren Reihen hat. Es ist gut, dass endlich auch einmal ein anderer Blick auf die Bundeswehr und die Sicherheitspolitik geworfen wird.

Es kann auch ein Vorteil sein, dass sich Frau von der Leyen über viele Jahre mit anderen Themen befasst hat, die aber dennoch auch Bedeutung für das Verteidigungsressort haben. Das gilt besonders für die Frage der Vereinbarkeit von Familie und Dienst. Hier kann man viel von ihr erwarten.

Aber mit Sicherheits- und Verteidigungspolitik und der Truppe hatte sie bisher nicht viel zu tun.
Sie hat auch in den vergangenen Jahren als Ministerin im Kabinett alle entscheidenden Fragen der Sicherheits- und Verteidigungspolitik mitberaten und mitentschieden. Wer behauptet, sie habe bisher nichts mit der Bundeswehr zu tun gehabt, der irrt.
Worauf sollte sie besonders ihr Augenmerk richten?
Die Verbesserung der Situation von Bundeswehrangehörigen mit Familie wird sicher eine ganz große Rolle spielen. Die Soldatinnen und Soldaten müssen Rechte in Anspruch nehmen können wie jeder andere auch. Das gilt zum Beispiel für die Elternzeit. Die Angehörigen der Bundeswehr müssen sich um das Wohl ihrer Kinder kümmern können, ohne dass das mit beruflichen Nachteilen verbunden ist. Dafür brauchen wir Reserven beim Personal. Wir müssen auch den Wechsel und Übergang vom Dienst in der Truppe in zivile Berufe attraktiver und besser gestalten. Der Infanterist, der vier Jahre lang gedient hat, kann im zivilen Leben mit seinen Erfahrungen aus der Bundeswehr wenig anfangen. Dem muss beim Übergang geholfen werden.
Als Wehrbeauftragter kennen Sie Fälle von Diskriminierung und Anzüglichkeiten gegenüber Frauen in der Truppe. Wie kann die Ministerin hier etwas verändern?
Das gibt es in der Bundeswehr leider ebenso wie auch sonst in der Gesellschaft. Deshalb ist es gut, dass jetzt auch diese Normalität eintritt, dass auch eine Frau das Verteidigungsministerium führen kann. Jetzt wird auch an der Spitze deutlich: Auch Frauen können Vorgesetzte sein.
Wie schwer wird es werden, sich in der Männerdomäne Bundeswehr Respekt und Autorität zu verschaffen?
Ich traue Frau von der Leyen schon zu, dass sie sich durchsetzt und über ausreichend Autorität verfügt. Man sollte die Generäle aber auch nicht unterschätzen. Inzwischen dürfte es sich auch rumgesprochen haben, dass die Position des Bundeskanzlers von einer Frau besetzt ist.

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