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tag der Arbeit : Neonazis überfallen Demo

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

„Es ging alles so schnell“: Mit Weimar als Ausschreitungsort für Rechtsextremisten hatte niemand gerechnet.

Es ist eigentlich eine ganz normale Gewerkschaftskundgebung an diesem 1. Mai in Weimar. Auf der Bühne auf dem Markt verteidigen Redner den Mindestlohn, Musiker sorgen für Stimmung, Besucher lassen sich Bratwurst und Getränke schmecken. Gerade will der Thüringer SPD-Bundestagsabgeordnete Carsten Schneider seine Rede beginnen, doch er kommt nicht dazu. Überraschend stürmen etwa 50 Rechtsextreme auf den Platz, attackieren die Kundgebungsbesucher, verletzen vier Menschen.

In Weimar herrscht Entsetzen.„Es ging alles so schnell“, sagt Oberbürgermeister Stefan Wolf (SPD).„Noch bevor wir das realisiert hatten, prügelten die schon.“ Wie Schneider wurde auch er von den Angreifern bedrängt. „Die Truppe war dunkel gekleidet und marschierte in Kompaniestärke im Block auf“, berichtet Schneider, dem die Angreifer das Mikrofon aus der Hand zerrten, um damit rechte Parolen zu skandieren. Einige von ihnen trugen ein Plakat der „Jungen Nationaldemokraten“, der Jugendorganisation der rechtsextremen NPD. Die Angreifer seien nicht zimperlich gewesen, so der Oberbürgermeister. „Einen Mann haben sie mit einer Stange verprügelt.“ Der 39-jährige Schneider fühlt sich an dunkelste Zeiten der deutschen Geschichte erinnert. „Das war so, wie man das aus Filmen über SA-Angriffe in der Nazizeit kennt.“ Schneider vermutet, dass die Rechtsextremen sich Weimar gezielt ausgesucht haben. „Das war von vorn bis hinten durchorganisiert, das war kein Zufall.“

Die Thüringer Polizei war am Freitag wegen zweier Neonazi-Aufmärsche in Erfurt und Saalfeld mit einem Großaufgebot an Beamten im Einsatz. In Weimar hingegen war sie zunächst nur mit einem Streifenwagen vor Ort. Später wurden weitere Kräfte hinzugezogen.

Die Beamten konnten einen Teil der Gewalttäter festsetzen. Laut Polizei gab es 29 vorläufige Festnahmen. „Wir sind sehr froh, dass die Täter festgenommen werden konnten“, sagte DGB-Landeschef Sandro Witt, für den der Vorfall aber auch Fragen aufwirft. Ein Gefährdungspotenzial sei bekannt gewesen, trotzdem sei es zu dem Überfall gekommen.

Thüringens Linken-Chefin Susanne Hennig-Wellsow forderte „harte Konsequenzen“. „Dieser Angriff zeigt den verbrecherischen Charakter der NPD, ihrer Jugendorganisation und der Neonazi-Kameradschaften“, sagte sie. Es sei an der Zeit, dass der Staat konsequent gegen solche Organisationen und „Neonazi-Gewalttäter“ durchgreife.

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