Spannungen im Gazastreifen : Nach blutigen Protesten: Auch Guatemala eröffnet Botschaft in Jerusalem

Nach den USA eröffnet das zweite Land seine Botschaft in Jerusalem. Erdogan telefoniert mit Merkel und Putin.

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16. Mai 2018, 17:57 Uhr

Jerusalem/Gaza | Nach den blutigen Gaza-Protesten mit 60 getöteten Palästinensern und mehr als 2800 Verletzten zu Beginn der Woche spitzt sich eine diplomatische Krise zwischen Israel und der Türkei zu. Die türkische Regierung forderte nach dem israelischen Botschafter in Ankara auch den Generalkonsul des Landes in Istanbul zur Ausreise auf.

Währenddessen hat die Palästinenserführung vier ihrer Botschafter aus europäischen Ländern zu Konsultationen zurückgerufen. Es handele sich um Diplomaten in Rumänien, Ungarn, Österreich und Tschechien, berichtete die palästinensische Nachrichtenagentur "Wafa" am Mittwoch. Die Palästinensische Autonomiebehörde in Ramallah begründete den Schritt mit der Teilnahme der Botschafter dieser vier Länder in Israel an einer israelischen Veranstaltung zur Eröffnung der US-Botschaft.

Dass US-Präsident Donald Trump die Heilige Stadt im Dezember einseitig als Israels Hauptstadt anerkannt hat und dann am Montag die Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem verlegen ließ, hat bei den Palästinensern großen Zorn ausgelöst. Indes eröffnete am Mittwoch mit Guatemala nach den USA bereits das zweite Land seine Botschaft in Jerusalem.

<p>Benjamin Netanjahu (r.), Ministerpräsident von Israel, und Jimmy Morales, Präsident von Guatemala, bei der Einweihung der Botschaft von Guatemala in Jerusalem.</p>
Foto: dpa

Benjamin Netanjahu (r.), Ministerpräsident von Israel, und Jimmy Morales, Präsident von Guatemala, bei der Einweihung der Botschaft von Guatemala in Jerusalem.

 

Der Montag war der blutigste Tag seit dem Gaza-Krieg 2014. Am Dienstag töteten Soldaten nach palästinensischen Angaben zwei weitere Palästinenser bei Konfrontationen an der Grenze. Medizinische Hilfslieferungen erreichten inzwischen den Gazastreifen. Schwerstverletzte sollen nun in Ägypten behandelt werden.

Die Demonstrationen richteten sich jedoch nicht nur gegen die Verlegung der US-Botschaft am Montag, sondern auch gegen eine mehr als zehnjährige Blockade des Küstenstreifens durch Israel und Ägypten. Die Palästinensern erinnerten zudem an die Vertreibung und die Flucht Hunderttausender im Zuge der israelischen Staatsgründung vor 70 Jahren.

<p>Palästinensische Protestierende verbrannten auch Poster mit dem Konterfei des US-Präsidenten Trump.</p>
Foto: dpa

Palästinensische Protestierende verbrannten auch Poster mit dem Konterfei des US-Präsidenten Trump.

 

Beim "Marsch der Rückkehr" forderten seit Ende März Zehntausende ein Recht auf Rückkehr in das heute israelische Staatsgebiet. Israel lehnt das ab. Bei den Protesten töteten israelische Soldaten insgesamt 117 Palästinenser.

Erdogan telefoniert mit Merkel und Putin

Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan hat inzwischen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel telefoniert sie zur Solidarität aufgerufen. Das meldete die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu am Mittwoch. Außerdem habe er mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin sowie mit Staats- und Regierungschefs aus Staaten der Organisation für Islamische Kooperation (OIC) gesprochen. Bei den Telefonaten mit OIC-Vertretern habe er auf eine gemeinsame Haltung zu den Zusammenstößen im Gazastreifen gedrängt, bei denen israelische Soldaten Dutzende Palästinenser erschossen hatten.

Erdogan hat für diesen Freitag zu einem OIC-Sondergipfel in Istanbul eingeladen. Für Freitagnachmittag ist außerdem eine Großdemonstration in Istanbul geplant, bei der es nach Angaben der türkischen Regierung um "Unterstützung des palästinensischen Volkes gegen Israels Gaza-Massaker" gehen soll. Erdogan ist der schärfste Kritiker des israelischen Vorgehens im Gazastreifen. Er hat das Vorgehen Israels im Gazastreifen als "Genozid" bezeichnet.

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu erhob seinerseits schwere Vorwürfe gegen Erdogan. In der Türkei herrscht derzeit Wahlkampf. Am 24. Juni werden erstmals zeitgleich ein neues Parlament und ein Präsident gewählt. Auch alle Oppositionsparteien im Parlament in Ankara haben Israels Vorgehen kritisiert.

50 der getöteten Palästinenser im Gazastreifen offenbar Hamas-Mitglieder

Ein Großteil der bei den Gaza-Protesten am Montag und Dienstag getöteten Palästinenser waren Hamas-Mitglieder, teilte der führende Hamas-Vertreter Salah al-Bardawil am Mittwoch mit. 50 der 62 hätten zu der radikalislamischen Palästinenserorganisation gehört. Rund die Hälfte der insgesamt 117 seit Ende März von israelischen Soldaten getöteten Palästinenser habe zur Hamas gehört.

Israel hat 1967 im Sechstagekrieg Ost-Jerusalem erobert. Die Palästinenser beanspruchen den Ost-Teil der Stadt dagegen als Hauptstadt für einen zukünftigen Staat Palästina. Nach Ansicht der internationalen Gemeinschaft sollte der Status der Stadt erst in Friedensgesprächen zwischen Israel und den Palästinensern vereinbart werden.

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