Erklärung inzwischen verschwunden : Moorbrand bei Meppen: Landkreis Emsland gab zu früh Entwarnung

Diese Pressemitteilung vom 19. September ist auf der Seite des Landkreises nicht mehr zu finden. Darin hatte der Landrat Reinhard Winter erklärt, dass eine Gesundheitsgefährdung durch den Moorbrand nach Auffassung seiner Behörde nicht erkennbar sei. Die Fenster sollten trotzdem zu bleiben. Screenshot: NOZ
Diese Pressemitteilung vom 19. September ist auf der Seite des Landkreises nicht mehr zu finden. Darin hatte der Landrat Reinhard Winter erklärt, dass eine Gesundheitsgefährdung durch den Moorbrand nach Auffassung seiner Behörde nicht erkennbar sei. Die Fenster sollten trotzdem zu bleiben. Screenshot: NOZ

Der Landkreis Emsland hat Bevölkerung und Einsatzkräfte mit Blick auf etwaige Gesundheitsgefahren durch den Moorbrand in Meppen falsch informiert.

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04. Oktober 2018, 18:53 Uhr

Osnabrück | Am 19. September hatte der Landkreis mitgeteilt, dass der Fachbereich Gesundheit „keine Gesundheitsgefährdung durch den Qualm“ erkennen könne und eine solche auch auf Basis von Messungen der Bundeswehr nicht gegeben sei. Belastbare Messungen hatte es zum Zeitpunkt der Entwarnung aber noch gar nicht gegeben.

Lungenärzte werteten die Aussagen des Landkreises seinerzeit bereits umgehend als „Schutzbehauptung“. Rauchwolken wie die nach dem Großbrand infolge des Munitionstests auf dem Gelände der Wehrtechnischen Dienststelle könnten gar nichts anderes als gesundheitsgefährdend sein.

Inzwischen wurde ferner bekannt, dass die Konzentration von Schadstoffen wie anorganische Gase, flüchtige Kohlenwasserstoffe TVOC, polycyclisch aromatischer Kohlenwasserstoffe PAK sowie Staub, Schwermetalle, sprengstofftypische Verbindungen, Kohlenstoffdioxid, Schwefeldioxid, Distickstoffmonoxid, Methan, Stickstoffdioxid und Stickstoffmonoxid erstmals am 20. September gemessen wurde und damit sowohl nach der Entwarnung des Landkreises als auch deutlich nach dem Höhepunkt der Rauchentwicklung.

Die Bundeswehr bestätigte den detaillierten Zeitablauf in dieser Woche auf Anfrage unserer Redaktion. Daraus geht hervor: Zum Zeitpunkt der Entwarnung des Landkreises lagen keine aussagekräftigen Messdaten vor. Vorher wurde lediglich einmal durch die Feuerwehr Leer die Kohlenmonoxidkonzentration bestimmt. Gleichwohl wurden Grenzwerte vereinzelt erreicht, wenn auch nicht überschritten. Die übrigen Schadstoffmessungen hatten Experten der Bundeswehr übernommen und am 20. September durchgeführt; die Ergebnisse sind unveröffentlicht.

Waren die Helfer von Feuerwehr und THW und die Anlieger der Wehrtechnischen Dienststelle in Stavern und Umgebung Gefahren ausgesetzt? Der Landkreis Emsland meinte nein. Foto: Bundeswehr/Michael Schmidt
Michael Schmidt
Waren die Helfer von Feuerwehr und THW und die Anlieger der Wehrtechnischen Dienststelle in Stavern und Umgebung Gefahren ausgesetzt? Der Landkreis Emsland meinte nein. Foto: Bundeswehr/Michael Schmidt

Ab dem 21. September übernahm der Landkreis die Messungen und beauftragte unabhängige Institute. Wegen des Wetterwechsels mit starkem Regen war die Rauchentwicklung zu jenem Zeitpunkt bereits drastisch zurückgegangen. Zuvor hatte der Qualm mehrere Tage lang insbesondere die Ortschaft Stavern belastet. Zeitweise war er noch in Bremen zu sehen und in Hamburg zu riechen.

Pikant: Die mindestens vorschnelle, wenn nicht fehlerhafte Entwarnung des Landkreises, die am 19. September mit dem Untertitel „Keine Gesundheitsgefährdung durch Rauchentwicklung“ veröffentlicht wurde, ist von der Internetseite des Landkreises Emsland inzwischen verschwunden.

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