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Kommentar : Moderater Protest – so tickt Deutschland

vom
Aus der Onlineredaktion

von
erstellt am 25.Jul.2017 | 21:00 Uhr

Sind die Populisten auch in Deutschland auf dem Vormarsch? Wird unser freiheitliches System ernsthaft bedroht, weil die Menschen Parolen statt Argumenten folgen? Die Studie der Bertelsmann-Stiftung gibt Entwarnung. Zwar gilt knapp jeder Dritte hierzulande als populistisch. Doch ein größerer Teil (36,9 Prozent) gelten als unpopulistisch. 33,9 Prozent gelten als teils populistisch. Experten sehen im Populismus eine Ideologie, die die Gesellschaft aufteilt in das „reine Volk“ auf der einen Seite und die „korrupte Eilte“ auf der anderen.

Die übergroße Mehrheit der Deutschen (85 Prozent) jedenfalls bekennt sich laut Studie zur Demokratie, will an ihr ebenso festhalten wie an der EU. Der Erfolg einer Wahlkampagne gegen Berlin und die politische Klasse, ähnlich wie die des US-Präsidenten Donald Trump, sei hierzulande undenkbar, so das Resultat.

Jetzt sei „keine Stunde der Populisten“, heißt es in der Analyse. Davon sei das politische Klima in Deutschland weit entfernt. „Populisten in Deutschland sind häufig enttäuschte Demokraten – aber keine radikalen Feinde der Demokratie“, erklärt einer der Autoren der Studie, Robert Vehrkamp. Moderater Protest ja, aber keine radikale Ablehnung – populistische Tendenzen seien beim Wahlvolk nicht mehrheitsfähig.

Wie populistisch sind die Deutschen? Von Juli 2015 bis März 2017 wurden mehr als 1600 Wahlberechtigte nach ihren politischen Präferenzen und Einstellungen befragt. Die Ergebnisse sind schlechte Nachrichten für die AfD. Mit systemablehnenden und antipluralistischen Forderungen und Einstellungen ließen sich in Deutschland keine Mehrheiten erzielen, heißt es in der 80 Seiten starken Studie. „Sie lehnen die Institutionen der Demokratie nicht grundsätzlich ab, sondern kritisieren ihr Funktionieren“, heißt es.

Insgesamt gilt aber: Protest und Kritik, aber kein radikaler Populismus – und je näher die Bundestagswahl rückt, desto geringer scheint die Bereitschaft zu sein, etwa Rechtspopulisten wie der AfD zu folgen.

Auffällig: Bei Anhängern von Union und Grünen soll der Anteil an Populisten am geringsten sein, so die Autoren der Studie: „Mit den Grünen steht eine unpopulistische Partei links von der Mitte zur Wahl und mit CDU/CSU eine unpopulistische Partei leicht rechts von der Mitte.“

Die einzigen Parteien, für die die Wähleranteile mit der Populismus-Neigung steigen, seien erneut die Linke und die AfD, schreiben die Studienautoren. „Die AfD wird von unpopulistisch eingestellten Wählern so gut wie gar nicht gewählt.“ Fazit: „Die AfD ist damit von ihrer Wählerschaft her eine klar populistische Partei.“


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