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Tabakrichtline : Mit Schock gegen Glimmstängel

vom
Aus der Onlineredaktion

Fotos und bald auch umfassende Werbeverbote sollen die Lust am Rauchen weiter eindämmen


Es wird kein schöner Anblick sein: Zigaretten- und Tabakschachteln müssen ab 20. Mai zu zwei Drittel mit Schockbildern und Warnhinweisen versehen werden. Sowohl auf der Vorder- als auch Rückseite. Und die Gruselbilder dürfen nicht am unteren Rand versteckt werden – ob faulende Raucherbeine, schwarze Zahnstümpfe oder zerfressene Lungen. So schreibt es die EU-Tabakrichtlinie vor. Die Politik hofft, so die Lust am Rauchen weiter einzudämmen. Über die Hintergründe sprach unser Korrespondent Rasmus Buchsteiner mit Marlene Mortler (CSU), Drogenbeauftragte der Bundesregierung.

Was versprechen Sie sich von den Schockbildern?
Mortler: Wir wollen mit diesen Schockbildern besonders Kinder und Jugendliche davor bewahren, dass sie mit dem Rauchen beginnen. Dass diese Bilder wirken, wissen wir aus zahlreichen Studien, unter anderem aus Australien. Es geht hier nicht nur um Bilder, sondern vor allem um Emotionen.

Eigentlich lässt sich kaum noch erklären, weshalb die Zigarette weiter ein legales Produkt sein soll oder?
Das ist richtig. Bei vielen anderen Produkten heißt es, dass bei bestimmungsgemäßer Anwendung das Risiko nicht eintreten kann. Bei der Zigarette ist das nicht der Fall. Egal ob man viel raucht oder nur dann und wann eine Zigarette: Gesundheitliche Schäden sind vorprogrammiert. Meine Aufgabe als Drogenbeauftragte ist es nicht nur, neue Verbote zu fordern. Mir geht es darum, zu warnen und über die Gefahren des Rauchens aufzuklären.

Lässt sich so die Raucherquote tatsächlich senken?
Wir beobachten schon jetzt eine erfreuliche Tendenz. Es gibt immer weniger junge Menschen, die mit dem Rauchen beginnen. Bei den 12- bis 17-Jährigen liegt die Raucherquote gerade nur noch bei 7,8 Prozent. Bei den Erwachsenen ist sie deutlich höher. Es gibt viele jahrzehntelange Raucherkarrieren. Einige schaffen es, aus eigenem Antrieb aufzuhören. Viel zu viele schaffen es nicht. Mir ist deshalb so wichtig, den Blick vor allem auf die jungen Menschen zu richten.

Die Tabakindustrie beklagt Wettbewerbsnachteile. Haben Sie Verständnis für diese Kritik?
Diese Kritik kommt immer wieder. Es gibt auch die Drohung der Tabakindustrie, den Standort Deutschland aufzugeben und Arbeitsplätze abzubauen. Ich frage mich, wo die Industrie denn hingehen will. Alle anderen Mitgliedsstaaten haben strengere Bedingungen, zum Beispiel bei der Tabakwerbung. Was wir jetzt in Deutschland beschließen wollen, ist dringend notwendig.

Weshalb das lange Zögern bei der Werbung?
Das ist sicherlich schwer zu erklären. Immerhin haben wir es geschafft, dass Tabakwerbeverbot im Kabinett zu beschließen. Vorgängerregierungen haben es immer wieder versucht und dann klein beigegeben. Die Lobby versucht, das Ganze auch jetzt wieder zu kippen. Wenn ich alleine hätte entscheiden können, wäre das Werbeverbot spätestens 2018 gekommen. Dass es jetzt 2020 geworden ist, war schon ein Kompromiss. Ich kämpfe dafür, dass er nicht wieder aufgeschnürt wird. Das Inkrafttreten darf nicht weiter aufgeschoben werden.

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erstellt am 19.Mai.2016 | 20:55 Uhr

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