Angela Merkel : Mit der Arbeit beginnen

Die Kanzlerin schickt sich an, langsam zu Helmut Kohl und Konrad Adenauer aufzuschließen. Mit ihrer dritten Wahl hat sie wohl den Zenit ihrer Macht erreicht.

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18. Dezember 2013, 00:35 Uhr

Angela Merkel am Ziel. Die Kanzlerin schickt sich an, langsam zu Helmut Kohl und Konrad Adenauer aufzuschließen. Mit ihrer dritten Wahl hat sie wohl den Zenit ihrer Macht erreicht. In der CDU ist sie die unangefochtene Nummer Eins. Alle Widersacher hat sie nach und nach aus dem Weg geräumt.

Die Regierung führt sie geradezu präsidial, sorgt dafür, dass an ihr nichts Negatives haften bleibt. Der Erfolg dieser Regierungschefin ist wohl gerade ihr Pragmatismus, ihr nüchterner sachlicher Führungsstil, das Unprätentiöse und die Scheu vor Risiken und Experimenten.

Große Koalition ist für Merkel kein Neuland mehr. Schon einmal moderierte sie ein Bündnis von Union und SPD, noch dazu in Zeiten der Weltfinanzkrise. Am Ende konnte Merkel weiter regieren, wurde wiedergewählt und die SPD landete in der Opposition. Geschichte wiederholt sich nicht und wenn dann nur als Farce, zitiert die Kanzlerin bisweilen Karl Marx.

Bei der Neufauflage der Großen Koalition mit der Sigmar-Gabriel-SPD dürfte es für die Kanzlerin und ihre Partei ungleich schwerer werden. Ob Mindestlohn, Energiewende oder Rente – im Koalitionsvertrag lauern jede Menge fauler Kompromisse. Bei Wiedervorlage droht dort an mehreren Ecken und Enden veritabler Streit, der sich womöglich nicht immer einfach wegmoderieren lassen lässt. Nach der langen Zeit des Wartens und des Stillstands kommt jetzt der Praxistest. Ist die Große Koalition wirklich zu großen Schritten fähig? Oder folgt jetzt die Fortsetzung der Politik der kleinen Schritte? Hat Merkel noch einmal die Kraft und den Willen, Reformen auf den Weg zu bringen, oder denkt sie schon an einen geordneten Übergang? Höchste Zeit, dass Schwarz-Rot an die Arbeit geht.

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