Merkel: Es geht um Krieg und Frieden : Mindestens 23 Tote bei Angriffen Israels in Syrien

Die vom syrischen Verteidigungsministerium zur Verfügung gestellte Aufnahme zeigt syrische Luftabwehrraketen am Himmel über der Stadt.
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Die vom syrischen Verteidigungsministerium zur Verfügung gestellte Aufnahme zeigt syrische Luftabwehrraketen am Himmel über der Stadt.

 

Der Streit zwischen Israel und dem Iran heizt sich immer weiter auf. Jetzt kommt es zum militärischen Schlagabtausch.

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10. Mai 2018, 11:26 Uhr

Der Konflikt zwischen Israel und dem Iran ist in der Nacht zum Donnerstag gefährlich eskaliert. Iranische Streitkräfte griffen erstmals von Syrien aus israelische Militärposten an, wie der israelische Armeesprecher Jonathan Conricus mitteilte. 20 Raketen hätten die Quds-Brigaden, die Eliteeinheit der iranischen Revolutionsgarden, auf die Golanhöhen abgefeuert. Israels Luftwaffe habe daraufhin Dutzende iranische Militärziele in Syrien angegriffen. Wie Israels Verteidigungsminister Avigdor Lieberman sagte, sei dabei die "nahezu die gesamte iranische Infrastruktur" beschossen worden. Er hoffe, dass die "Episode" nun vorbei sei und "jeder verstanden hat". Das erklärte die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte.

Russland will Entspannung der Lage

Liebermann ergänzte, dass keine der 20 von iranischen Streitkräften auf die Golanhöhen abgefeuerten Raketen auf von Israel kontrolliertem Gebiet eingeschlagen sei. Nach Angaben der Armee wurden vier der Geschosse von Israels Raketenabwehr abgefangen. 

Russland hat Israel und den Iran nach neuerlichem Raketenbeschuss zur Zurückhaltung und Deeskalation aufgerufen. „Das ist alles sehr beunruhigend", sagte der russische Vizeaußenminister Michail Bogdanow am Donnerstag in Kasan der Agentur Tass zufolge. „Wir haben Kontakt mit beiden Seiten." Russland bemühe sich seit langem um eine Entspannung der Lage, sagte er.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sieht in der neuen Gewalt im Nahen Osten eine Frage von Krieg und Frieden. "Die Eskalationen der vergangenen Stunden zeigen uns, dass es wahrlich um Krieg und Frieden geht", sagte Merkel am Donnerstag bei der Zeremonie zur Verleihung des Karlspreises an den französischen Präsidenten Emmanuel Macron in Aachen.

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Assad sieht "Weltkrieg anderer Art"

Der syrische Staatschef Baschar al-Assad ist der Ansicht, dass in seinem Land ein Weltkrieg stattfindet, der aber andere Merkmale als die beiden früheren habe. „Er ist vielleicht kein voller Dritter Weltkrieg. Dennoch ist es bereits ein Weltkrieg, (der auf einer) anderen Art als der Erste und der Zweite (Weltkrieg) stattfindet", sagte Assad in einem Interview der konservativen Athener Zeitung „Kathimerini" am Donnerstag. Er äußerte die Hoffnung, dass es in seinem Land zu keiner direkten Konfrontation zwischen Russland und den USA komme. Dann würde nach Assads Ansicht die Situation „auf der ganzen Welt außer Kontrolle geraten". 

"Schwerwiegende Angriffe"

Beim Angriff auf die israleischen Stellungen in Syreien hätten die Quds-Brigaden Raketen des Typs Grad und Fadschr-5 eingesetzt, sagte der israelische Armeesprecher. „Wir sehen diese iranische Attacke auf Israel als sehr schwerwiegend an." Keine der auf die Golanhöhen abgefeuerten Raketen habe ihr Ziel getroffen. Mehrere seien von der israelischen Raketenabwehr abgefangen worden. Es habe auch keine israelischen Opfer gegeben.

"Größte Luftangriffe Israels"

Die israelischen Luftangriffe in Syrien gehörten zu den „größten, die Israels Armee gegen iranische Ziele unternommen hat". Man habe dem iranischen Militär schweren Schaden zugefügt. Es seien Einrichtungen des Geheimdienstes, der Logistik, Militärposten, Lagerräume und Spähposten getroffen worden. Man habe auch das Gefährt zerstört, von dem aus die Raketen auf die Golanhöhen abgefeuert wurden. Es habe sich in 30 bis 40 Kilometern Entfernung von Damaskus befunden.

Ein Iron Dome Raketenabwehrsystem ist auf der israelischen Seite der Golanhöhen in der Nähe der Grenze zu Syrien positioniert. Israel hatte mit einem iranischen Angriff auf den Golanhöhen gerechnet und hat daher sein Militär in erhöhte Alarmbereitschaft versetzt und die Luftschutzbunker öffnen lassen.
dpa

Ein Iron Dome Raketenabwehrsystem ist auf der israelischen Seite der Golanhöhen in der Nähe der Grenze zu Syrien positioniert. Israel hatte mit einem iranischen Angriff auf den Golanhöhen gerechnet und hat daher sein Militär in erhöhte Alarmbereitschaft versetzt und die Luftschutzbunker öffnen lassen.

Russland ist informiert

Die syrische Luftabwehr habe israelische Flugzeuge beschossen, aber nicht getroffen. „Wir haben die Syrer gewarnt, sich nicht einzumischen, aber sie haben es trotzdem getan." Israel sei „auf verschiedene Szenarien vorbereitet", sagte Conricus. „Wir sind nicht an einer Eskalation interessiert, aber weitere Versuche, Israel zu attackieren, werden eine schwerwiegende Reaktion zur Folge haben." Man habe Russland vor dem Angriff in Syrien informiert.
Die Angriffe erfolgten einen Tag nach dem Ausstieg der USA aus dem Atomabkommen mit dem Iran. Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu hatte am Mittwoch auch den russischen Präsidenten Wladimir Putin besucht. Dieser hatte angesichts der zunehmenden Spannungen zwischen Israel und dem Iran zu einer Lösung des Konflikts aufgerufen.

Reservisten mobilisiert

Mit Hinweis auf Warnungen vor einem iranischen Angriff von Syrien aus hatte Israels Armee schon am Dienstag Reservisten mobilisiert. Die Armee hatte zudem Ortschaften auf den Golanhöhen angewiesen, die Luftschutzbunker zu öffnen. Israel hatte die Golanhöhen 1967 erobert und später annektiert. Die Armee wies die Einwohner der Golanhöhen am Donnerstag an, ihrer normalen Routine nachzugehen. Schulen und Kindergärten blieben geöffnet.
Die staatliche syrische Nachrichtenagentur Sana meldete, bei den israelischen Angriffen seien unter anderem Einheiten der Luftverteidigung, eine Radarstation und ein Munitionslager getroffen worden. Syriens Luftabwehr schoss demnach Dutzende israelische Raketen ab. Die meisten hätten ihr Ziel nicht erreicht, berichtete Sana.

15 Tote bei Angriff auf Waffenlager

Auch in der Nacht zuvor wurde ein mutmaßlicher israelischer Raketenangriff auf Ziele in Syrien gemeldet. Dabei kamen nach Angaben der in London ansässigen Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte mindestens 15 Menschen ums Leben. Der Angriff habe einem Waffenlager der iranischen Revolutionsgarden gegolten.
Teheran ist neben Russland und der libanesischen Schiitenmiliz Hisbollah wichtigster Verbündeter des syrischen Staatschefs Baschar al-Assad. Der Iran hat nach israelischen Angaben in den vergangenen Monaten seine militärische Präsenz im Land weiter ausgebaut. Israel wird für Luftangriffe in Syrien verantwortlich gemacht, bei der auch Iraner getötet wurden. Teheran drohte mit Vergeltung.

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