CDU-Wahlkampf : Merkels Wohlfühl-Offensive

Ministerpräsident Seehofer  und Bundeskanzlerin Merkel bei einem Spitzentreffen im Februar 2017
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Ministerpräsident Seehofer und Bundeskanzlerin Merkel bei einem Spitzentreffen im Februar 2017

Die Kanzlerin und der Wahlkampf: Schulterschluss mit Seehofer, Auftritt mit Obama und die Kampagnenplanung fest im Griff

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22. Mai 2017, 20:45 Uhr

Was für ein Terminkalender: Die Kanzlerin wirbt am Montag bei einem Schulbesuch in Berlin für „Lust auf Europa“. Heute zelebriert sie den Schulterschluss mit CSU-Chef Horst Seehofer in einem Bierzelt in München. Am Donnerstag diskutiert sie zunächst mit Barack Obama vor dem Brandenburger Tor, 80.000 Kirchentagsbesucher werden erwartet. Dann geht es weiter zu Nato- und G7-Gipfeln nach Brüssel und Sizilien.

Während SPD-Herausforderer Martin Schulz mühsam am Wahlprogramm arbeitet, in Umfragetief und Terminchaos feststeckt, glänzt Angela Merkel bei Wohlfühl-Auftritten und als Krisenmanagerin auf dem internationalen Parkett. Nach den drei gewonnenen Landtagswahlen wirkt die CDU-Chefin wie von einer drückenden Last befreit und kann gestärkt den Bundestagswahlkampf in Angriff nehmen.

Zentraler Teil der Strategie: der neue Kuschelkurs mit Seehofer. Sonntagnachmittag im Kanzleramt fand der „Versöhnungsgipfel“ hinter verschlossenen Türen statt. „Konzentriert und konstruktiv“ sei es dabei zugegangen, verlautet gestern aus der CDU-Spitze.

„Es ist für den gemeinsamen Wahlerfolg von CSU und CDU wichtig, dass wir Geschlossenheit zeigen“, erklärte Bayerns Innenminister und CSU-Spitzenkandidat Joachim Herrmann gestern im Gespräch mit unserer Berliner Redaktion. „Wir wollen alles dafür tun, dass es keine rot-grüne oder rot-rot-grüne Regierung in Berlin geben wird.“

Nachdem bei den Landtagswahlen Merkels eher liberale Verbündete Annegret Kramp-Karrenbauer an der Saar und Armin Laschet in NRW triumphierten, die die Flüchtlingspolitik der Kanzlerin stets gestützt hatten, hält Seehofer die Füße still. Das Wort Obergrenze soll er gestern beim Treffen der CDU- und CSU-Fraktionschefs in München nicht in den Mund genommen haben. Zwar macht er beim Thema Steuersenkungen Druck, pocht auf „wuchtige“ Entlastungen, doch prescht er nicht mit Zahlen vor. Schließlich will der CSU-Chef erreichen, dass das Geld am Ende noch für die Ausweitung der Mütterrente reicht.

Heute Abend werden Merkel und Seehofer im Münchner Bierzelt ihre Zweckallianz zur Schau stellen. Das darf indes über die inhaltlichen Differenzen nicht hinwegtäuschen. Von der Flüchtlingspolitik über den Doppelpass bis zum Volumen der Steuersenkungen – längst nicht überall ziehen die Schwesterparteien wirklich an einem Strang. Die Arbeit an Kompromissen soll aber hinter den Kulissen stattfinden.

Dass der Streit nicht wieder aufbricht und der Merkel-Wahlkampf anläuft wie geschmiert, dafür hat die Kanzlerin auch mit Personalentscheidungen gesorgt: Peter Altmaier, ihr enger Vertrauter und Kanzleramtschef, ist der prägende Kopf für das gemeinsame Wahlprogramm von CDU und CSU, das am 3. Juli veröffentlicht wird. Merkel hat die Fäden fest in der Hand. Geräuschlos und hochprofessionell werden ihre Termine geplant.

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