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Neuer Wirbel um Peter Tauber : Merkels Problem-Sekretär

vom
Aus der Onlineredaktion

Parteimanager entschuldigt sich für Beleidigung von Mini-Jobbern

von
erstellt am 04.Jul.2017 | 21:00 Uhr

„Menschenverachtend“, „beleidigend“, „arrogant“, „unanständig“ – für einen Tweet über Minijobber erntet CDU-Generalsekretär Peter Tauber helle Empörung und harsche Kritik und löst im Netz einen Shitstorm aus. Wenige Stunden nach der Vorstellung des Wahlprogramms von CDU und CSU hatte der Parteimanager der Christdemokraten auf eine Kurznachricht im Netz geantwortet und damit eine Welle des Protests ausgelöst. Ob das Wahlversprechen der Union, bis 2025 Vollbeschäftigung in Deutschland zu erreichen, jetzt drei Minijobs für ihn bedeute, wollte ein Twitter-Nutzer wissen. Tauber antwortete prompt: „Wenn Sie was Ordentliches gelernt haben, dann brauchen Sie keine drei Minijobs.“

Eine überhebliche Äußerung, auch nach Ansicht von Parteifreunden, die offenbar viele Minijobber und geringfügig Beschäftigte verletzte und erboste. Versuchte Tauber seine Aussage zunächst noch zu rechtfertigen, entschuldigte er sich später via Twitter und bedauerte seine Wortwahl. Er habe „blöd formuliert“ und damit manche verletzt. „Schwamm drüber“, hieß es aus dem Kanzleramt. Doch SPD und Opposition wollen die Steilvorlage annehmen.

„Vollbeschäftigung ist besser als ‚Gerechtigkeit‘“, hatte Tauber zunächst in Anspielung auf den SPD-Wahlkampf getwittert und damit den Wortwechsel, seine Verbalattacke und den Sturm der Entrüstung mit mehr als tausend Reaktionen im Netz ausgelöst. „Die pöbelnde Arroganz von Peter Tauber zeigt: der CDU fehlt der Respekt vor Geringverdienern“, schrieb SPD-Generalsekretär Hubertus Heil. „Und wer keinen Anstand gelernt hat, wird CDU-Generalsekretär“, so SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann.

Immer wieder Tauber – Merkels Mann in der CDU-Zentrale wird mehr und mehr zum „Problemsekretär“ wie es in der Partei spöttisch heißt. Für Empörung nicht nur bei den Liberalen hatte in der Vergangenheit bereits eine Twitter-Nachricht des CDU-Mannes gesorgt, in der er FDP-Chef Christian Lindner mit AfD-Vizechef Alexander Gauland verglichen hatte.

Erst kürzlich hatte die Quasi-Entmachtung des Generalsekretärs für Wirbel gesorgt. Nicht Tauber, sondern Kanzleramtsminister Peter Altmaier war von CDU-Chefin Merkel beauftragt worden, das Bundestagswahlprogramm zu erarbeiten. Die Kanzlerin setzt in den entscheidenden Monaten bis zur Wahl vor allem auf ihren Kanzleramtsminister, den sie auch in der Vergangenheit immer wieder als politische „Geheimwaffe“ nutzte.

Tauber unter Druck – der Unmut über den Generalsekretär in den eigenen Reihen war zuletzt immer deutlicher spürbar. Viel zu hören war von dem 42-Jährigen, der zugleich Konservativer und Modernisierer  sein will, bisher nicht. Er wolle mehr nach innen wirken, so Tauber. Dagegen werfen ihm Parteifreunde Inhaltsleere und Anpassung an den vermeintlichen Zeitgeist vor, die in den Misserfolg führten. Tauber denke mehr darüber nach, wie er an die E-Mail-Adressen aller CDU-Mitglieder komme als darüber, was er ihnen schreiben soll, heißt es.

Kanzlerin Angela Merkel plant im Falle einer Wiederwahl,den Posten eines Staatsministers für Digitalisierung einzurichten. In der CDU-Spitze wird bereits gemunkelt, dabei könne es sich um eine geeignete Anschlussverwendung für Tauber für die Zeit nach der Bundestagswahl handeln.  


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