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Gute Nachrichten : Mehr Rente und weniger Beiträge?

vom
Aus der Onlineredaktion

Hintergründe zu neuen Zahlen von Bundesregierung und Rentenversicherung

Dank Rekordbeschäftigung und einem demographischen „Zwischenhoch“ können sich die 21 Millionen Rentner ab Mitte kommenden Jahres noch einmal auf ein sattes Plus freuen, rund drei Prozent sind absehbar. Gute Nachrichten gibt es auch für Arbeitnehmer: Die Deutsche Rentenversicherung Bund stellte eine geringe Beitragssenkung ab Januar in Aussicht. Hintergründe zu neuen Zahlen der Bundesregierung und der Rentenversicherung von Tobias Schmidt.

Wie stark steigen die Renten?
Laut Entwurf des Rentenversicherungsberichtes der Bundesregierung und Berechnungen der Rentenversicherung Bund können Rentner im Westen ab dem 1. Juli 2018 mit 3,09 Prozent mehr rechnen, im Osten dürften die Renten um 3,23 Prozent steigen. Für den „Standardrentner“ mit 45 Beitragsjahren läge das Plus bei 43 Euro im Monat – die allerdings versteuert werden müssen.

Die West-Renten steigen deutlich höher als zum Juli 2017. Da hatte das Plus bei 1,9 Prozent gelegen. Für Ost-Rentner fällt die Erhöhung diesmal geringer aus. Die Erhöhung zum vergangenen Juli lag bei 3,59 Prozent, das waren fast 0,4 Punkte mehr als im kommenden Juli anstehen. Die Ost- und Westrenten werden bis 2025 komplett angeglichen. Bedingung für das Rentenplus von rund drei Prozent sei, dass sich Löhne und Gehälter wie derzeit prognostiziert entwickeln, erklärte Alexander Gunkel, Vorstandschef der Rentenversicherung Bund, gestern. Die Entscheidung wird im Frühjahr 2018 getroffen.

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Wie entwickeln sich die Beiträge?
Seit Anfang 2015 liegt der Beitragssatz stabil bei 18,7 Prozent – dem niedrigsten Wert seit 1996. Wegen deutlich höherer Einnahmen ist die Rentenkasse gut gefüllt, die Rücklage steigt 2017 vermutlich um eine halbe Milliarde auf 32,9 Milliarden Euro. Das gibt Spielraum, den Beitragssatz erstmals seit drei Jahren um 0,1 Prozentpunkte auf 18,6 Prozent zu senken, erklärte Gunkel. Der Durchschnittsverdiener hätte 1,60 Euro pro Monat mehr übrig. Im Jahr 2022 ist wieder mit einer Anhebung auf 18,7 Prozent zu rechnen – bis 2030 müsste der Beitrag ohne Reformen sogar auf 21,6 Prozent angehoben werden, bis 2045 auf 23,2 Prozent.


Sinken 2018 auch andere Sozialbeiträge?
Nicht nur die Rentenkasse ist zurzeit gut gefüllt, auch das Polster der Arbeitslosenversicherung ist gewachsen, sodass im kommenden Jahr Beitragssenkungen um maximal 0,3 Prozentpunkte möglich scheinen. Und der Zusatzbeitrag für die Krankenversicherung wird von 1,1 auf 1,0 Prozent abgesenkt, stellte Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) in Aussicht.


Werden die Renten weiter kräftig steigen?

Nur mittelfristig: Bis 2030 wird ein Zuwachs von rund zwei Prozent pro Jahr erwartet. Das Rentenniveau, das die Relation von Renten zu Löhnen zum Ausdruck bringt, wird hingegen nur noch fünf Jahre bei 48 Prozent stabil bleiben, derzeit liegt es bei genau 48,2 Prozent. Bis 2030 wird das Verhältnis auf 45 Prozent sinken, bis 2045 auf 42,2 Prozent, sollte die Politik nicht gegensteuern.


Was fordern die Experten?
Der Renteneintritt der Babyboomer-Jahrgänge und ein Ende der Beschäftigungsrekorde werde die Lage der Rentenkasse mittel- und langfristig „spürbar belasten“, sagte Gunkel, und warnte die Jamaika-Sondierer „eindringlich“ vor neuen Leistungen, für die noch keine Beiträge eingezahlt wurden.

„Keine zusätzlichen Mütterrenten auf Kosten der Beitragszahler“, forderte auch die Co-Vorstandsvorsitzende der Rentenversicherung, Annelie Buntenbach, mit Blick auf die Rentenpläne der CSU, die sieben Milliarden Euro pro Jahr kosten würden. Die Gewerkschaft IG Metall will geringere Beiträge verhindern: „Statt heute die Beiträge zu senken, sollte die Regierung an morgen denken und angemessene Rücklagen bilden“, sagte IG-Metall-Vorstandsmitglied Hans-Jürgen Urban.

 

Kommentar "Alarmsignal für die Politik" von Tobias Schmidt

Noch einmal ein kräftiges Plus für die 21 Millionen  Rentner, und erstmals seit drei Jahren leicht sinkende Beiträge für die Einzahler. Doch ist das nicht mehr als eine Momentaufnahme. Die in Aussicht gestellte Rentenerhöhung von drei Prozent kann die Jamaika-Sondierer jedenfalls nicht in Sicherheit wiegen, bei der Rente sei alles in Ordnung. Das Gegenteil ist der Fall. Derzeit zahlen die Babyboomer-Jahrgänge noch kräftig ein. Sobald sie selbst zu Rentenbeziehern werden, wird sich das Blatt wenden. Schon in fünf Jahren werden die Beiträge steigen und wenig später das Rentenniveau sinken – wenn die Politik nicht gegensteuert. Die Prognosen der Rentenversicherung sind ein Alarmsignal an Union, FDP und Grüne. 

Statt auf neue Wohltaten sollte sich die künftige Regierung auf die Sicherung der Rente konzentrieren. Mehr Möglichkeiten, länger zu arbeiten, könnten etwas Druck aus dem Kessel nehmen. Die Rente mit 63 einzugrenzen, wäre ebenfalls ein wichtiger Schritt, die künftigen Generationen zu entlasten. Die Jamaikaner haben sich die soziale Gerechtigkeit auf den Fahnen geschrieben. Zielgenaue Maßnahmen gegen Altersarmut sind ebenso wichtig wie Weichenstellungen, um Jüngere vor der Demographie-Falle zu schützen.


 

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