Mehr Armut in Deutschland – Sorge um Ältere

Eine ältere Frau sucht in einem Müllbehälter nach Pfandflaschen. Wer im Alter mit seinem Einkommen auskommen will, muss zusätzlich vorsorgen.  Doch das können viele nicht.
Foto:
Eine ältere Frau sucht in einem Müllbehälter nach Pfandflaschen. Wer im Alter mit seinem Einkommen auskommen will, muss zusätzlich vorsorgen. Doch das können viele nicht.

Für eine wachsende Zahl von Menschen reicht der Lohn nicht zum Leben / Besonders hoch ist das Armutsrisiko für Rentner

svz.de von
04. Dezember 2013, 00:35 Uhr

Im reichen Deutschland wächst die Armut. Frauen sind davon noch stärker betroffen als Männer. Auch für ältere Leute sind die Aussichten schlecht. Dies ist das Fazit des „Datenreports 2013“ – einem über 400 Seiten starken Gemeinschaftswerk von Statistikern und Sozialexperten. Nach deren Befund ist das Armutsrisiko der 55- bis 64-Jährigen deutlich gestiegen. Unter den jungen Erwachsenen zwischen 18 und 24 Jahren gilt jeder Fünfte als armutsgefährdet – bei ebenfalls steigender Tendenz.

Als arm gilt, wer 2011 weniger als 980 Euro im Monat verdiente. Betroffen sind vor allem Menschen in befristeter oder Teilzeitarbeit unter 21 Wochenstunden, mit Minijobs oder in Zeit- und Leiharbeit. Die Autoren nennen dies in ihrem Bericht „atypische Beschäftigung“. Der Report wird herausgegeben vom Statistischen Bundesamt, der Bundeszentrale für politische Bildung, dem Wissenschaftszentrum Berlin (WZB) und dem Wirtschaftsforschungsinstitut DIW.

Auch die OECD warnte in ihrem aktuellen Rentenbericht vor einer drohenden Altersarmut von Geringverdienern in Deutschland. Für sie wie auch für Menschen, die nicht ihr ganzes Leben durchgängig voll gearbeitet hätten, werde es immer schwieriger werden, später mit dem Geld aus der Rentenversicherung über die Runden zu kommen. Die Wahrscheinlichkeit, dass diese Personen privat Altersvorsorge betreiben könnten, sei gering. Der Bericht vergleicht die Entwicklung der Rentensysteme in 27 Industrienationen.

Wer in Deutschland nur die Hälfte des durchschnittlichen Einkommens verdient, wird demnach im Alter netto auch nur noch 55 Prozent seiner heutigen Bezüge erhalten. Das sei weit weniger als in allen anderen Ländern. Ein Grund dafür ist die Abhängigkeit der Rentenhöhe von Versicherungsjahren und Beitragshöhe in Deutschland.

Andere Staaten hätten bei der Alterssicherung Umverteilungssysteme zugunsten von Geringverdienern eingeführt. In Deutschland müssen diese Menschen im Alter Sozialhilfe beantragen.

Nach Erkenntnissen der Statistiker waren die 18- bis 24-Jährigen sowie die 55- bis 64-Jährigen zuletzt weitaus häufiger von Armut bedroht als Menschen der anderen Altersgruppen. Der Durchschnitt lag 2011 laut Report bei 16,1 Prozent. Bei der Gruppe der älteren Semester stieg das Armutsrisiko innerhalb von vier Jahren von 17,7 auf 20,5 Prozent.

Die Armut habe sich inzwischen häufig verfestigt, hieß es. So seien fast 81 Prozent der Personen, die 2011 unter der Armutsgefährdungsquote lagen, bereits in den vorangegangenen vier Jahren von Armut betroffen gewesen. Zudem seien die Rentenansprüche von Neurentnern der unteren Einkommensschichten seit mehr als 20 Jahren im Sinkflug. Es drohe zunehmende Altersarmut.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen