Immer mehr Betroffene : Mehr als 150 Anzeigen

Polizei in Erklärungsnot

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06. Januar 2016, 18:46 Uhr

Fast eine Woche nach den massiven Übergriffen auf dutzende Frauen in Köln und Hamburg wird das Ausmaß der dramatischen Silvesternacht bekannt: Inzwischen wurden in Köln mehr als 100 Anzeigen erstattet, in Hamburg über 50. Dutzende Frauen sollen ausgeraubt oder belästigt, zwei vergewaltigt worden sein. Drei Viertel der Anzeigen haben laut Polizei einen sexuellen Hintergrund. Die Kölner Polizei hat zwar eine erste Spur, verhaftet wurde aber bis gestern noch niemand.

Vor allem die Polizei sieht sich heftiger Kritik ausgesetzt, weil sie zu spät auf die aggressive Menschenmenge vor dem Kölner Hauptbahnhof reagiert haben soll und erst zwei Tagen nach den Übergriffen über die Vorfälle informierte. Dabei waren nach ihren Angaben am Silvester auf dem Platz vor dem Bahnhof in Köln zahlreiche Frauen im Getümmel sexuell bedrängt und beklaut worden.

Wegen des Ausmaßes lässt Justizminister Heiko Maas (SPD) prüfen, ob es einen Zusammenhang gibt zwischen den Taten in Köln und Hamburg. „Das Ganze scheint abgesprochen gewesen zu sein,“ sagte Maas. „Es wäre schön, wenn das keine Organisierte Kriminalität wäre, aber ich würde das gerne mal überprüfen, ob es im Hintergrund Leute gibt, die so etwas organisieren.“ So etwas geschehe nicht aus dem Nichts, es müsse jemand dahinterstecken. Hamburger Ermittler gehen bislang nicht von Verbindungen aus. Nahe der Reeperbahn wurden Frauen Silvester von mehreren Männern umringt und begrapscht.

Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) bemängelte den Einsatz der Kölner Beamten: „Da wird der Platz geräumt – und später finden diese Ereignisse statt, und man wartet auf Anzeigen. So kann die Polizei nicht arbeiten.“  

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