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Ländervergleich : Medizinische Versorgung: Gut ausgestattet, aber ineffizient

vom
Aus der Onlineredaktion

Hintergründe zum Ländervergleich zur medizinischen Versorgung

Kaum ein anderes Land gibt so viel Geld für die medizinische Versorgung seiner Bürgerinnen und Bürger aus, und in kaum einem anderen Land gibt es mehr Krankenhäuser und Ärzte pro Einwohner. Bei der Lebenserwartung sind die Deutschen dennoch nur im Mittelfeld, wie der am Freitag vorgestellte Ländervergleich „Health At A Glance“ der Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) ergibt. Hintergründe zur 35-Länder-Studie von Tobias Schmidt.

Leben die Deutschen länger oder kürzer als ihre Nachbarn?
Wer jetzt in Deutschland geboren wird, hat eine Lebenserwartung von 80,7 Jahren. Das sind zehn Jahre und einen Monat mehr als 1970 und liegt nahe am OECD-Durchschnitt von 80,6 Jahren, aber unter dem EU-Durchschnitt. In Spanien und der Schweiz etwa werden die Menschen 83 Jahre alt – das sind Spitzenwerte in Europa. Kürzer als in Deutschland leben die Bürgerinnen und Bürger in den östlichen EU-Staaten.

Worauf ist die im EU-Vergleich eher kurze Lebenserwartung der

Deutschen zurückzuführen?
Bei den wichtigsten Risikofaktoren schneidet die deutsche Bevölkerung besonders schlecht ab: Mit elf Litern reinem Alkohol pro Jahr trinken die über 15-Jährigen hierzulande deutlich mehr. An der Spitze liegen die Belgier (12,6 Liter) und die Litauer (15,2 Liter). In Schweden, Griechenland oder Italien trinken die Bürgerinnen und Bürger gut zweieinhalb Liter Alkohol weniger pro Jahr. Auch beim Rauchen liegt die Quote in Deutschland mit 21 Prozent der Erwachsenen über dem OECD-Schnitt. In Schweden sind es nur 11,2 Prozent, in Griechenland hingegen 25,8 Prozent. Um die Quote zu senken, fordert die OECD von der Bundesregierung ein konsequentes Tabakwerbeverbot.

Als dritten entscheidenden Faktor haben die OECD-Experten die Fettleibigkeit ausgemacht. Fast jeder vierte Erwachsene (23,6) hierzulande ist fettleibig, Tendenz steigend. Der OECD-Schnitt liegt bei 19,4 Prozent.

Wie steht Deutschland bei den Gesundheitsausgaben und dem Angebot da?
Sehr gut. 11,3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts werden für die Gesundheit ausgegeben, unter allen OECD-Ländern sind es nur in der Schweiz (12,4 Prozent) und in den USA (17,2 Prozent) mehr. Der Durchschnitt liegt bei neun Prozent. Aber sowohl in der Schweiz als auch in den USA müssen die Patienten selbst deutlich mehr für ihre Behandlung bezahlen als in Deutschland. In der Bundesrepublik müssten „sehr wenige Patienten“ aus Kostengründen auf eine Behandlung verzichten, notiert die OECD.

Die Quote von 8,1 Krankenhausbetten pro 1000 Einwohner liegt um 70 Prozent über dem Durchschnitt. Auch stehen der deutschen Bevölkerung überdurchschnittlich viele Ärzte und Krankenpfleger zur Verfügung, 4,1 beziehungsweise 13,3 pro 1000 Einwohner, im OECD-Durchschnitt sind es 3,4 Ärzte und neun Krankenpfleger. Dank der vielen Ärzte gibt es in der Bundesrepublik vergleichsweise kurze Wartezeiten, wobei die regionalen Unterschiede groß sind.

Das Gesundheitssystem ist gut ausgestattet, aber auch effizient?
Nein, die OECD stellt ein durchwachsenes Zeugnis aus. Viel zu häufig würden Patienten ins Krankenhaus eingewiesen, obwohl auch ambulant behandelt werden könne, heißt es in dem Bericht. Die Mandeln lassen sich in Deutschland nur vier von hundert Patienten ambulant entfernen, in Finnland gehen dafür nur vier von hundert Patienten ins Krankenhaus. Beim Ersatz von Knie- und Hüftgelenken und bei Herzgefäßerweiterungen sei die Zahl viel zu hoch – es wird also zu viel operiert, moniert die Organisation.

Kurzum: Durch eine Stärkung der Primärversorgung könnten die Kosten erheblich gesenkt werden.


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