Gummitier und Frikadellen : Martin Schulz privat

Martin Schulz und seine Frau Inge
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Martin Schulz und seine Frau Inge

„Der Kandidat“ – Biografie über den SPD-Hoffnungsträger zeichnet dessen Aufstieg nach. „Ohne meine Frau wäre ich eine arme Socke“

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04. April 2017, 21:00 Uhr

„Ohne meine Frau wäre ich eine arme Socke“, erzählt Martin Schulz. Seit mehr als 30 Jahren ist er mit „seiner“ Inge verheiratet, einer gelernten Landschaftsarchitektin mit polnischen Wurzeln, doch tritt seine Gattin in der Öffentlichkeit kaum in Erscheinung. Als ihr Mann zum SPD-Chef und Kanzlerkandidaten gewählt wurde, fehlte die Frau an seiner Seite. Sie stehe aber voll hinter ihm, schreibt der Journalist Manfred Otzelberger in einer neuen Schulz-Biografie. Beide hätten am Anfang ihrer Ehe eine Absprache getroffen: „Du machst Dein Ding, ich mach meines. Aber bitte erwarte nicht, dass ich ständig an deiner Seite bin.“

Das 224-Seiten-Buch („Der Kandidat“) beschreibt vor allem die private Seite des SPD-Hoffnungsträgers, porträtiert Schulz und seine Welt in Würselen, zeichnet den Aufstieg des früheren linken Verteidigers beim „Rhenania“ nach.

Schulz, der Bodenständige. So charakterisiert ihn der Autor. „Sie lieben sich sehr. Inge trägt ihn, er ist sehr aufgehoben in seiner Familie“, so Doris Harst über ihren Bruder Martin und ihre Schwägerin, die zwei Kinder haben, Lina und Nico. Die Familie sei wie ein „Clan“, halte eng zusammen.

Ständig steht Schulz mit seiner Frau per SMS in Kontakt. Als er 2012 in Oslo für die EU den Friedensnobelpreis in Empfang nahm, tippte sie ins Handy: „Ich war so aufgeregt wegen Dir, mir sind heute fünf Frikadellen verbrannt.“

Otzelberger, Redakteur bei „Bunte“, nähert sich Schulz‘ persönlicher Sphäre, berichtet, dass der SPD-Chef seine Anzüge bei „Männermode Lürken“ in Würselen kauft und sich vom Friseur Robert Mickartz vor Fernsehauftritten den Bart stutzen lässt. Oder dass er auf Reisen immer ein kleines Gummi-Nilpferd in der Tasche hat, ein Glücksbringer von Tochter Lina.

Es ist ein Buch voller Anekdoten, das auch die dunkle Zeit im Leben des heutigen SPD-Chefs schildert: Wie der Traum von der Karriere als Fußballer platzte, wie er in der Schule die 11. Klasse zwei Mal nicht schaffte und mit seinen Juso-Freunden in der Kneipe zechte. Lange kam er nicht vom Alkohol los. Als er offen über Selbstmord sprach („Es geht nix mehr“), vermittelte sein Bruder Erwin, ein Arzt, ihm einen Therapieplatz.

Nach dem Entzug wurde ihm das Lesen zur Rettung. Freunde und Familie helfen, 80 000 Mark aufzutreiben – für die Buchhandlung, die Schulz über Jahre betrieb. Schulz wird schließlich Bürgermeister von Würselen. 1994 der Wechsel nach Brüssel – der Beginn seiner Karriere in der großen Politik. Otzelberger beschreibt Schulz als Mann von großer Zielstrebigkeit und brillanter Rhetorik, der schon als Kind viel geredet habe, manchmal zu viel. „Wenn ich den Martin zu Bett gebracht habe, musste ich sein Mundwerk extra ins Bett bringen. Sonst hätte er immer weiter gequatscht“, soll seine Mutter Clara berichtet haben.

Manfred Otzelberger: Martin Schulz – der Kandidat, Die Biografie, Herder-Verlag, 224 Seiten, 20,00 Euro.



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