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Interview Manuela Schwesig (SPD) : Man wird nicht sofort radikal

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig über Präventionsarbeit vor Ort, aggressive Computerspiele und Hilfen für Eltern

Würzburg, München, Reutlingen, Ansbach – Deutschland zwischen Amok, Angst und Anschlägen. Rasmus Buchsteiner sprach mit Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) über Terror, Amokläufer, Killerspiele und Mittel gegen den Islamismus.

„Mama, warum macht jemand so etwas Schlimmes?“, hat Ihr Sohn Sie nach dem Amoklauf von München gefragt. Wie erklärt man es Kindern, ohne unnötig Angst zu schüren?
Darauf gibt es ja keine einfachen Antworten. Darüber zu reden ist wichtig. Denn die Kinder bekommen es mit, schnappen in der Schule, bei Freunden Informationen auf, die sie zunächst nicht einordnen, die ihnen aber durchaus Angst machen können. Nicht jedes Fernsehbild ist gut für unsere Kinder – die Informationen müssen, soweit es geht, dosiert sein.

Der Selbstmord-Attentäter von Ansbach hatte dem IS die Treue geschworen. Ihr Ministerium finanziert Programme gegen die Selbstradikalisierung junger Menschen. Lässt sich dem Problem so wirklich beikommen?
Wir müssen ansetzen, bevor etwas passiert. Präventionsarbeit ist Graswurzelarbeit, die vor Ort stattfinden muss: in den Städten und Dörfern, in den Vereinen und Verbänden sowie in den Schulen. Auch müssen wir im Netz aktiver werden. Überall soll mit Jugendlichen diskutiert werden. Zugleich müssen Lehrerinnen und Lehrer, Eltern und weitere Bezugspersonen unterstützt werden, Radikalisierungstendenzen zu erkennen und aktiv gegenzusteuern.

Der Amokläufer soll lange vorher mit der Tat gedroht haben. Wie können solche Warnzeichen in Zukunft eher erkannt werden?
Ich glaube nicht daran, dass ein Mensch von einem Tag auf den anderen zum Gewalttäter wird. Davor gibt es einen Prozess. Deshalb ist es wichtig zu überlegen, wo kann man ansetzen? Wenn Eltern oder Geschwister, Lehrer oder Freunde merken, da läuft was nicht richtig, warum verhält der sich so komisch?“, müssen sie die Möglichkeit haben, sich Rat zu holen.

Mich treibt es sehr um, dass es viel Mobbing auch und gerade in den Schulen, unter Jugendlichen gibt. Auch im Netz. Deshalb ist es sehr wichtig, auch mit unseren Kindern – selbst wenn sie noch jünger sind – die Diskussion darüber führen, dass es für ein friedliches Zusammenleben wichtig ist, dass man zusammenhält und andere nicht ausgrenzt. Das macht auch die Kinder stark.

Bundesinnenminister de Maizière will eine Debatte über „Ballerspiele“. Muss es hier strengere Regeln und schärfere Verbote geben?
Ich bin keine Freundin dieser Spiele. Leider ist es so, dass viele Amoktäter auch exzessiv diese Art von Spielen wie „Counterstrike“ gespielt haben. Aber nicht jeder, der diese Art von Spielen spielt, wird auch zum Amokläufer. Die erste Bauchreaktion bei vielen ist: Warum gibt es diese Spiele überhaupt? Gerne würde ich sagen, durch ein Verbot der Spiele würden solche Taten nicht mehr passieren. Aber das ist ja leider nicht der Fall. Ein Verbot nur als „politische Beruhigungspille“ wäre nicht ehrlich.

„Counter Strike“ hat der Täter von München regelmäßig gespielt. Haben Sie bei diesem Spiel keinerlei Bedenken?
Ja, ich habe Bedenken, wenn Jugendliche das exzessiv spielen. Deshalb gibt es auch Altersbeschränkungen. Außerdem sollte man mit den Kindern und Jugendlichen auch kritisch über solche Spiele sprechen. Stumpft man emotional ab? Hier sind auch die Eltern gefragt. Deshalb ist es wichtig, ihnen Anlaufstellen zu bieten, wo sie sich Rat holen können. Ich habe vor einigen Wochen die Modernisierung des Jugendmedienschutzes vorgelegt – in diesem Rahmen soll auch die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien zu einer „Bundeszentrale für Kinder- und Jugendmedienschutz“ werden.

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