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Zerstrittene Trump-Berater : Machtkampf direkt im Weißen Haus

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Die zerstrittenen Berater des US-Präsidenten kämpfen mit allen Mitteln um Einfluss auf Donald Trump

svz.de von
erstellt am 14.Feb.2017 | 08:00 Uhr

Jared Kushner, Donald Trumps Schwiegersohn und Berater, hat im „West Wing“ des Weißen Hauses sein Büro in nächster Nähe zum „Oval Office“. Nur wenige Schritte sind es für Kushner den Flur herunter ins Epizentrum der Macht. Doch als der US-Präsident am Freitagnachmittag vor zwei Wochen gegen 16.30 Uhr den Einreisestopp für Flüchtlinge und Muslime aus sieben Nationen verkündete, war Kushners Büro verwaist.

Wie aus Regierungskreisen durchsickerte, hatte Trumps Chef-Stratege Stephen Bannon – der „Architekt“ der so umstrittenen Dekrete – bewusst gewartet, bis für den dem jüdischen Glauben folgenden Kushner der Sabbat-Feiertag begann und dieser nicht mehr erreichbar war. Trump unterzeichnete die Anweisungen dann in einer Zeremonie, ohne den genauen Inhalt zu kennen. Die dramatischen Folgen sind weltweit bekannt – und Kushner sei fuchsteufelswild gewesen, dass man ihn ausmanövriert und ihm den so brisanten Inhalt des Erlasses verschwiegen habe, heißt es.

Dieser Vorfall ist bezeichnend für den schwelenden Machtkampf und die Spannungen im Dunstkreis des Präsidenten, der es offenbar versäumt hatte, unter seinen Beratern eine klare „Hackordnung“ zu verkünden und ihnen Verhaltensregeln zu geben. Deshalb buhlen gleich mehrere starke Persönlichkeiten um das Ohr des Milliardärs, der sein Amt ohne jede Verwaltungserfahrung angetreten hatte.

Sie sitzen Wand an Wand im Erdgeschoss des Regierungsflügels: Kushner, dann Bannon, dann Stabschef Reince Priebus und schließlich Vizepräsident Mike Pence. Eigentlich ist es üblich, dass ein Stabschef wie Priebus in alle Vorgänge und Gespräche eingebunden wird – doch diese Regel scheint nicht mehr zu gelten. Stattdessen ist die Front klar definiert: Auf der einen Seite der frühere Wall Street-Banker und Millionär Bannon – der ultra-konservative Nationalist, der aus seiner Abneigung gegen Muslime, Schwule und den politischen Gegner noch nie einen Hehl gemacht hat.

Auf der anderen Seite der um Ausgleich bemühte Priebus und der unerfahrene Kushner, der eigentlich nur einen Auftrag hat: den Präsidenten von unüberlegten Twitter-Aussagen abzuhalten und in seinen Temperamentsausbrüchen zu bremsen. Doch bisher ist seine Wirkung nur begrenzt.

Die im Obergeschoss weiter vom Präsidenten entfernt sitzende Beraterin Kellyanne Conway scheint in diesem Macht-Konflikt kaum eine Rolle zu spielen. Bei Trump soll sie jetzt sogar in Ungnade gefallen sein, weil sie öffentlich dazu aufgerufen hatte, Produkte von Trumps Tochter Ivanka zu kaufen – ein Verhalten, das gegen die Ethik-Regeln im Weißen Haus verstößt. Man habe sie abgemahnt, heißt es.

Interner Streit, Eifersüchteleien und Skandale – diese Szenerie liegt auch an den Persönlichkeiten, die sich Trump ausgesucht hat. Sein Schwiegersohn Kushner hat stark an Einfluss verloren, während der dominante Bannon immer stärker seine Wirkung entfacht. Die jüngste Richterschelte Trumps, seine Bewertung von Wladimir Putin, die Twitter-Attacke gegen den Kaufhauskonzern Nordstrom – all dies gehört zur Philosophie Bannons. Provozierend, ungefiltert, gelegentlich rüde und damit seinen Anhängern ganz aus dem Herzen sprechend.


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