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Alternative für Deutschland : Luckes Kampfansage: „Ich oder ihr“

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Die Alternative für Deutschland (AfD) steht vor einer Zerreißprobe: Der Parteigründer schickt eine Brand-Mail und will eine Entscheidung.

Bernd Lucke will es jetzt unbedingt wissen. Er unternehme einen letzten Versuch, zu einer Verständigung über den künftigen Kurs der Alternative für Deutschland (AfD) zu kommen, heißt es aus seinem Umfeld. Parteigründer Lucke stellt die Machtfrage und möchte sie bis zum Parteitag Mitte Juni geklärt wissen. Ich oder ihr?

In der Nacht zum Montag setzt sich der Europaabgeordnete und Vorstandssprecher der Partei an seinen Computer und schickt eine Email an die AfD-Mitglieder, die nur als schonungslose Abrechnung und Kampfansage an seine internen Widersacher vom nationalkonservativen Flügel zu verstehen ist. AfD-Co-Chef Konrad Adam hatte zuvor erklärt, es gebe handfeste Indizien dafür, dass Lucke sich dazu entschieden habe, die AfD zu verlassen. Spekulationen, er wolle eine neue Partei gründen, ließen da nicht lange auf sich warten.

Rückzugsabsichten? Die Berichte weist Lucke energisch zurück. „An dem Gerücht ist lediglich wahr, dass ich mir große Sorgen um die AfD mache“, heißt es in der Email Luckes, die unserer Berliner Redaktion vorliegt. Zu diesen Sorgen zähle, „dass ein von mir geschätzter Mann wie Herr Dr. Adam mit falschen Freunden an der falschen Front kämpft“. „Ich war sehr überrascht, sozusagen die Nachricht meines eigenen Ablebens lesen zu müssen. Dies umso mehr, als Herr Adam mich zu meiner angeblichen Absicht nie befragt hat“, schreibt sich Lucke den Frust von der Seele. Er sei nicht sicher, dass die AfD „in der Form, in der wir sie 2013 gegründet haben“, fortbestehen werde. „Es gibt Kräfte in der Partei, die eine andere, radikalere AfD wollen.“ Tatsächlich gebe es in der Partei einen Streit darüber, „ob die Grundausrichtung der Partei hin zu dem radikalen, systemkritischen Ansatz“ verschoben werden solle. „Ich hielte das für fatal, aber wir haben den Streit und er muss entschieden werden. Dies umso mehr als sich damit auch entscheidet, welche Personen die Partei künftig vertreten sollen“, heißt es in Luckes Email weiter. Die AfD sei keine Partei der kleinen Leute, sondern eine Volkspartei, die allen Schichten des Volkes eine Heimat biete.

Da ist sie, die Kampfansage. Offen warnt Lucke in seinem Brandbrief an die Mitglieder vor einem Scheitern der AfD, die in den letzten Jahren einen beispiellosen Aufstieg erlebt und doch immer wieder durch interne Querelen für Negativ-Schlagzeilen gesorgt hatte.

Doch allmählich wird es einsam um Lucke. An der Basis habe er viele Anhänger, bei den Funktionären immer weniger, heißt es. Der Wirtschaftsprofessor, der das bekannteste Gesicht seiner Partei ist, hatte zuletzt mit dem Rückzug von AfD-Vize Hans-Olaf Henkel einen prominenten Unterstützer verloren und gerät immer wieder mit Vertretern des nationalkonservativen Parteiflügels aneinander.

Steht die AfD vor einer Spaltung? „Ich denke, Lucke will eher eine Klärung herbeiführen, keine Spaltung“, warnt sein Widersacher Gauland. „Wenn Lucke das wollte, verlöre er auch die Hälfte Wähler und wird mit der Partei keinen Erfolg mehr haben.“

AfD in MV gegen Spaltung

Gut ein Jahr vor der Landtagswahl in MV fürchtet der Landesverband der AfD, durch die Querelen in der Bundespartei um seine Chancen gebracht zu werden. Die Bremen-Wahl am Wochenende habe erneut gezeigt, dass viele Bürger ihre Hoffnungen auf die Alternative für Deutschland setzten. „Diesen Vertrauensvorschuss dürfen wir nicht verzehren“, warnte AfD-Landessprecher Leif-Erik Holm in einer gestern verbreiteten Mitteilung. „Wenn die AfD Volkspartei sein möchte, dann muss sie die verschiedenen Strömungen akzeptieren, und die Führung hat die Aufgabe, diese zu integrieren“, betonte Holm. Damit erteilte er Plänen für eine Spaltung der AfD eine klare Absage. Mit ihrer Programmarbeit habe die Partei gezeigt, dass liberale und konservative Positionen bestens zusammenpassen.

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