Alternative für Deutschland : Lucke muss nun das Feld räumen

Der ehemalige Vorsitzende Bernd Lucke zeigt auf die neu gewählte AfD-Vorsitzende Frauke Petry.
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Der ehemalige Vorsitzende Bernd Lucke zeigt auf die neu gewählte AfD-Vorsitzende Frauke Petry.

Mit der neuen Parteispitze ziehen auch drei Mitglieder des rechten Flügels in den Bundesvorstand. Lucke gibt Zukunft der Partei ab

svz.de von
05. Juli 2015, 20:00 Uhr

Am Tag nach seiner bitteren Niederlage kehrt Bernd Lucke noch einmal in die Essener Gruga-Halle zurück. Unruhe macht sich breit. Will er aus der AfD austreten? Ist er überhaupt noch Mitglied? Sofort bildet sich eine Menschentraube um den ehemaligen Parteisprecher. Einige Mitglieder bitten ihn zu bleiben, andere wollen ihn aus dem Saal schmeißen. Tumult! Das Präsidium unterbricht den Parteitag. „Ich werde keinen Schnellschuss machen“, sagt Lucke. Aber sein Austritt sei „wahrscheinlich“. In den nächsten Tagen soll die Entscheidung fallen.

Seine Noch-Partei„freunde“ hatten ihn am Samstag aus dem Amt gejagt. Stolze 60 Prozent der über 3400 Mitglieder in der Gruga-Halle wählten seine Rivalin Frauke Petry zur neuen Chefin der AfD. Frenetischer Jubel bei ihren Anhängern. Lucke hält es nicht aus. Flieht von der Bühne. Er habe die Niederlage erwartet, sagt er kurz darauf. Schon den ganzen Tag über war ihm offene Feindseligkeit entgegen geschlagen. Lucke warnt die Partei davor, sich mit dem rechten Rand einzulassen. Pfiffe und Beschimpfungen begleiten seine Reden, besonders, wenn er sich gegen Fremdenfeinde stellt. Mitglieder halten rote Abstimmkarten hoch, als Lucke sich dagegen wehrt, die AfD sei eine „Pegida“-Partei.

Beim konservativen Flügel um Petry will man von einem Rechtsruck nichts wissen. Als rechts gelte in Deutschland schon, „wer einer geregelten Arbeit nachgeht, seine Kinder pünktlich zur Schule schickt und der Ansicht ist, dass sich der Unterschied von Mann und Frau mit bloßem Auge erkennen lässt“, ätzt Noch-Parteisprecher Konrad Adam. Die Halle jubelt. Petry heizt die Stimmung weiter an. „Der Islam transportiert ein Staatsverständnis, das mit dem Grundgesetz nicht zu vereinbaren ist“, ruft sie in den Saal. Tosender Applaus. Auch beim Umgang mit Pegida hätte die Partei mutiger sein müssen, sagt sie. Derweil versteinern die Mienen der Lucke-Anhänger. Es geht heiß her in der fensterlosen Halle. Die Wahl eines Generalsekretärs wird von der Tagesordnung genommen. Lucke hatte in der Vorwoche den Recklinghäuser André Yorulmaz für diesen Posten nominiert, einen homosexuellen Deutsch-Türken. Für den rechten Flügel eine Provokation. Lucke bekommt die Quittung. Der Wirtschaftsprofessor ist zu links für die AfD-Mitglieder. Seine Anhänger ziehen Konsequenzen. Ein Mitglied der Zählkommission legt sein Mandat nieder. „Ich bin nicht mehr Mitglied der AfD“, sagt er. Es gibt Applaus.

Frauke Petry lässt sich derweil feiern. Sie wolle die Streitigkeiten in der Partei beenden. Ihre Wahl sei „kein Sieg der Konservativen über die Liberalen“. Dann bittet sie Joachim Starbatty, als zweiter Sprecher zu kandidieren. Er gilt als Vertrauter von Lucke. Sagt ab. Alle Stellvertreter gehören nun zum rechten Flügel. Die Liberalen überlegen derweil, wie es weitergeht. „Die Zukunft der Partei gehört Frauke Petry“, sagt Lucke und überlässt ihr das Feld.
 

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