Liebevolles Treffen vor Gericht

„Wir haben ein sehr freundschaftliches Verhältnis“: Bettina und Christian Wulff begrüßen sich auf dem Gerichtsflur.
Foto:
1 von 1
„Wir haben ein sehr freundschaftliches Verhältnis“: Bettina und Christian Wulff begrüßen sich auf dem Gerichtsflur.

Bettina Wulff sagt im Prozess gegen ihren Noch-Ehemann als Zeugin aus – und gibt dem Ex-Bundespräsidenten Rückendeckung

svz.de von
13. Dezember 2013, 00:36 Uhr

„Ich möchte aussagen“, sagt Bettina Wulff. Und natürlich werde sie die Wahrheit sagen. Kerzengerade sitzt sie da, auf der vorderen Hälfte des Zeugenstuhls. Keine drei Meter von ihr entfernt: Noch-Ehemann Christian Wulff, der sich wegen angeblicher Vorteilsnahme verantworten muss.

Gestern, 10.35 Uhr, Showdown im kargen Schwurgerichtssaal 127 von Hannover. Hier der frühere Bundespräsident auf der Anklagebank, dort die Frau, die sich im Januar ihm getrennt hatte und 598 Tage lang Deutschlands First Lady war. Dann und wann treffen sich ihre Blicke. Unterstützt sie ihn? Oder schadet ihre Aussage? Hochspannung im Saal, in dem an diesem Vormittag kein Stuhl frei bleibt. Bettina Wulff wirkt entschlossen, ihren Mann durch den Auftritt vor Gericht zu entlasten, macht von ihrem Schweigerecht keinen Gebrauch. Gut 60 Minuten Klartext im Hannover.

Bettina Wulff noch einmal im Rampenlicht. Es ist ihr großer Auftritt. Der frühere Bundespräsident begegnet seiner Noch-Ehefrau bereits auf dem Gerichtsflur. Eine vertraute Umarmung, Küsschen auf die Wange, ein kurzes aufmunterndes Lachen. Eine Inszenierung für die Kameras? Die Fotografen fangen das Bild sofort ein. „Wir haben ein sehr freundschaftliches Verhältnis“, beschreibt Bettina Wulff, wie sie jetzt nach der Trennung zu ihrem Mann steht.

Schwarze Pumps, knielanger Rock, weiße Seidenbluse und die blonden Haaren zum Pferdeschwanz gebunden – die einstige First Lady perfekt gestylt im Zeugenstand. „Was wollen Sie denn wissen?“, fragt sie, als Richter Frank Rosenow beginnt. Szenen einer Ehe vor Gericht. In der Strafsache mit dem Aktenzeichen 40 KLs 6/13 gegen das frühere Staatsoberhaupt geht es um 719,40 Euro und einen Abend im Käfer-Zelt auf dem Münchener Oktoberfest Ende September 2008 und die Frage, ob Wulff als amtierender Ministerpräsident womöglich bestechlich war. Im Gegenzug zur Einladung von Film-Unternehmer David Groenewold soll sich Wulff für ein Projekt von ihm eingesetzt haben.
Die Staatsanwaltschaft sieht darin ihren Vorwurf der Vorteilsnahme (Wulff) sowie Vorteilsgewährung (Groenewold) bestätigt. Es drohen eine Geldstrafe oder Haft bis zu drei Jahren.

Sechs Liter Champagner, 13 Maß Bier, sechs Mal Ente, eine Bratwurst, einmal Spanferkel, eine Portion Hendl, eine Brotzeit mit Brezen und Radieschen - die Kosten der illustren Tischrunden beim Oktoberfest mit Groenewold, den Wulffs, Verleger Hubert Burda und seiner Frau Maria Furtwängler beliefen sich am Ende auf 3209,30 Cent. Und es geht auch um Bewirtungen vom Vorabend und die Frage, ob es sich beim im Zelt „von wem auch immer“ konsumierten Chateaubriand um Rotwein oder Rinderfilet gehandelt hat. Zu den Besonderheiten dieses Verfahrens gehören auch Fragen nach dem Alkoholkonsum. Sie habe damals als stillende Mutter von Säugling Linus über den Abend verteilt ein halbes Glas Champagner getrunken, ihr Mann Wasser und Apfelschorle. „Wenn er es mal richtig krachen lassen will, bestellt er sich einen Bananensaft“, scherzt sie. An eine „Champagner-Sause“ könne sie sich nicht erinnern. Der Angeklagte lauscht derweil aufmerksam und schmunzelt.
Galgenhumor? Immer wieder versucht die Zeugin, mit kleinen Anekdoten die Stimmung im Gerichtssaal aufzulockern.
Die Befragung bringt kaum etwas zutage, was nicht schon in den Vernehmungsakten nachzulesen wäre. Bis Anfang April sind noch jede Menge Verhandlungstermine angesetzt – eigentlich. Ankläger Clemens Eimterbäumer, dessen Entscheidung zur Aufnahme der Ermittlungen gegen Wulff im Februar 2012 zum Rücktritt des Bundespräsidenten führte, hat schon jetzt kaum noch Fragen an die Zeugen. Auch gestern an Bettina Wulff nicht.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen