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Cannabisanbau in Deutschland : „Legalize it!“ – aber nur zu medizinischen Zwecken

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Die Bundesregierung bringt ein Gesetz auf den Weg. Bis es den geplanten staatlichen Anbau gibt, wird Cannabis importiert.

svz.de von
erstellt am 04.Mai.2016 | 10:09 Uhr

Berlin | Cannabis soll in Deutschland künftig zu medizinischen Zwecken angebaut werden können. Dazu will das Bundeskabinett an diesem Mittwoch einen Gesetzentwurf von Gesundheitsminister Hermann Gröhe beschließen. „Wir wollen, dass für Schwerkranke die Kosten für Cannabis als Medizin von ihrer Krankenkasse übernommen werden, wenn ihnen nicht anders geholfen werden kann“, sagte der CDU-Politiker in Berlin.

Cannabis kommt bei schweren Krankheiten wie Multipler Sklerose, Krebs oder dem Tourette-Syndrom zum Einsatz. Forscher hatten in einer Studie herausgefunden, dass dadurch etwa chronische Schmerzen oder auch Übelkeit im Rahmen einer Chemotherapie gelindert werden könnten.

Patienten ohne therapeutische Alternative sollen getrocknete Cannabisblüten und -extrakte in Apotheken erhalten. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte soll als staatliche Cannabisagentur fungieren. Bis es den geplanten staatlich kontrollierten Anbau in Deutschland gibt, soll die Versorgung mit Importen gedeckt werden.

Die Erstattungsfähigkeit von Arzneimitteln auf Cannabisbasis in der gesetzlichen Krankenversicherung soll erweitert werden. Bislang ist sie grundsätzlich auf Fertigarzneimittel in jeweils zugelassenen Anwendungsgebieten begrenzt. Nun sollen die Krankenkassen Cannabis in Form getrockneter Blüten für schwerkranke Menschen bezahlen können. Die Erstattung soll an wissenschaftliche Begleitstudien geknüpft werden.

Eine generelle Cannabisfreigabe lehnt die Regierung ab. Die Bundesdrogenbeauftragte Marlene Mortler sagte: „Cannabis ist keine harmlose Substanz. Daher darf es auch keine Legalisierung zum reinen Privatvergnügen geben.“  Auch Gesundheitsminister Gröhe spricht sich gegen eine Legalisierung aus: Es hat der Versachlichung der Diskussion über Medizinal-Hanf gutgetan, das klar zu trennen“, sagte der CDU-Politiker am Mittwoch im ARD-„Morgenmagazin“. Die liberalen Regeln in anderen Ländern seien kein Argument für eine generelle Legalisierung, erläuterte Gröhe. „Viele Länder in Skandinavien, zum Teil auch in Holland, sind alles andere als glücklich über den Weg, den sie damals eingeschlagen haben.“

Fragen und Antworten zu Cannabis

Cannabis: Was ist erlaubt, was nicht?

In Deutschland gelten Cannabis-Produkte als illegale Suchtmittel. Besitz, Anbau und Handel sind verboten. Beim Umgang mit „nicht geringen Mengen“ Haschisch und Marihuana liegt die Höchststrafe bei 15 Jahren Haft. Cannabis ist die am häufigsten konsumierte illegale Droge in Deutschland - aber auch Basis für Medikamente.

Schwerkranke Menschen dürfen mit einer Ausnahmegenehmigung des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte auch getrocknete Blüten oder Blätter über Apotheken beziehen. Bundesweit habe weniger als 300 Patienten diese Erlaubnis. Die Kassen beteiligen sich nicht.

Im vergangenen Juli erlaubte das Kölner Verwaltungsgericht Schmerzpatienten in Ausnahmefällen den Anbau zu Therapiezwecken: dann wenn sonst nichts hilft und Cannabis aus der Apotheke für sie unerschwinglich ist.

Wie wird Cannabis bisher in der Medizin eingesetzt?

Cannabis ist Basis für Medikamente. Den beiden Hauptwirkstoffe Tetrahydrocannabinol (THC) und Cannabidiol (CBD) wird eine krampflösende und schmerzlindernde Wirkung zugeschrieben. Cannabis wird auch genutzt, um Übelkeit zu bekämpfen und den Appetit anzuregen. Befürworter sehen einen großen Nutzen etwa für Menschen mit chronischen Schmerzen, Patienten mit Krebs oder Aids-Kranke. Kritiker weisen unter anderem auf mögliche Nebenwirkungen wie Schwindel und Wahrnehmungsstörungen hin.

Das einzige in Deutschland zugelassene Medikament auf der Basis von Cannabis ist Sativex. Viele Kassen übernehmen die Kosten.

Darüber hinaus produzieren Firmen wie THC Pharm (Frankfurt) eine „Rezeptursubstanz“, aus der Apotheker für Patienten mit ärztlichem Rezept individuell dosierte Kapseln oder Tropfen herstellen. Etwa in der Hälfte dieser Fälle tragen die Kassen die Kosten.

Wie stehen andere Länder zu Cannabis als Arzneimittel?

Andere Länder nutzen Cannabis als Medizin schon längst, darunter sind auch zahlreiche US-Bundesstaaten und Israel. Chile genehmigte ein entsprechendes Projekt für Krebs- und Epilepsiepatienten.

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