Lackmus-Test fürs Abendland

svz.de von
09. November 2015, 11:55 Uhr

Asselborns Mahnung, die EU könnte zerbrechen, klingt dramatisch – und ist es auch. Erschütternd, dass EU-Politiker erst jetzt zur Erkenntnis gelangen. Schon der Ukraine-Konflikt förderte einen Selbstbetrug der EU zutage, erst recht nun die Flüchtlingskrise: Mit der viel beschworenen Wertegemeinschaft ist es nicht weit her.

Die Völkerwanderung ist die größte Herausforderung seit Fall des Eisernen Vorhangs. So groß Ängste vor Überforderung, Einschränkung des Wohlstands und Veränderung unserer Kultur auch sein mögen – Europa lässt sich nicht einzäunen. So wenig, wie sich das Berliner Regierungsviertel als „Anstalt“ überdachen lässt, was nach den Chaostagen nahe läge. In dieser Situation verbieten sich ideologische Profilierungsspielchen, da muss Politik auf Basis abendländischer Grundwerte entschlossen gestalten. Das beugt am ehesten Rechtspopulismus vor. Will die EU fortbestehen, müssen ihre Nationen sich auf eine gemeinsame Migrationspolitik einigen,die Wirtschafts-, Sozial- und Sicherheitsinteressen einschließt. Das ist die verdammte Pflicht von EU-Parlament und -Kommission.

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