Umstrittener Schritt : Kritik an Essener Tafel wächst

Kunden der Essener Tafel stehen mit ihren Einkaufstrolleys vor der Ausgabestelle. Die Entscheidung der Hilfsorganisation in der Ruhrgebietsstadt, zurzeit keine nichtdeutschen Neukunden mehr aufzunehmen, hat zu Kritik geführt.
Kunden der Essener Tafel stehen mit ihren Einkaufstrolleys vor der Ausgabestelle. Die Entscheidung der Hilfsorganisation in der Ruhrgebietsstadt, zurzeit keine nichtdeutschen Neukunden mehr aufzunehmen, hat zu Kritik geführt.

Grüne: Aufnahmestopp für Migranten widerspricht den Grundsätzen.

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24. Februar 2018, 05:00 Uhr

Die Entscheidung der Essener Tafel, vorerst keine neuen Migranten mehr als Bedürftige aufzunehmen, stößt bundesweit auf Kritik. Nach den Grundsätzen des Dachverbandes „Tafel Deutschland e. V.“ sei die Hilfe der gemeinnützigen Essensausgaben für alle gedacht, die dieser Unterstützung bedürften, sagte die Vorsitzende der Berliner Tafel, Sabine Werth. „Für die Berliner Tafel gibt es keine Bedürftigen erster oder zweiter Klasse.“ Und: „Wir orientieren unser Handeln an der Mitmenschlichkeit und spielen die Bedürftigkeit der vielen Menschen in Berlin nicht gegeneinander aus.“

Der Vorsitzende der Essener Tafel, Jörg Sartor, verteidigte den umstrittenen Schritt. „Ich stehe dazu“, sagte er gestern in Essen. Es sei im Tafel-Vorstand lange diskutiert worden über den Entschluss. „Wir wollten erreichen, dass der Weg in die Tafel für alle wieder offen ist“, sagte Sartor. Zuletzt seien aber weniger Alleinerziehende und Rentner gekommen. Der Aufnahmestopp sei nur eine vorübergehende Maßnahme, „wahrscheinlich nicht über den Sommer hinaus“.

Ähnlich kritisch wie die Berliner Tafel äußerten sich auch andere Landesverbände, etwa in Niedersachsen, Bremen und Hessen. „Wir sind für alle Bedürftigen da, egal welche Hautfarbe oder Nationalität sie haben“, sagte auch der Thüringer Landesvorsitzende Nico Schäfer. Der Paritätische Wohlfahrtsverband in NRW kritisierte die Entscheidung ebenfalls. „Natürlich kann ich nachvollziehen, dass Tafeln unter großem Druck stehen und ihre Ressourcen im Blick haben müssen“, sagte Landesgeschäftsführer Christian Woltering. „Aber Maßnahmen wie ein Aufnahmestopp sind Wasser auf die Mühlen der Rechtspopulisten.“ Es widerspreche den Grundsätzen der Tafeln, die Essensvergabe an die Staatsangehörigkeit zu koppeln, betonte der Grünen-Bundestagsabgeordnete Kai Gehring.

Die Bundesregierung wollte sich gestern nicht zum Fall äußern. Sie könne nur „ganz allgemein“ sagen, „dass Deutschland ein Land der Mitmenschlichkeit ist und in diesem Land jedem, der bedürftig ist, geholfen werden sollte“, sagte die stellvertretende Regierungssprecherin Ulrike Demmer. Ein Sprecher des Sozialministeriums sagte, die Bekämpfung von Armut und die Sicherung des Existenzminimums seien Aufgaben des Staates. Die Tafeln seien lediglich ein „ergänzendes Angebot“.

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