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Islamistischer terror : „Konkrete Anschlagspläne“

vom
Aus der Onlineredaktion

Spezialkräfte-Einsatz gegen Syrer Yamen A. und die Furcht vor der Rückkehr des islamistischen Terrors

Die Sicherheitsbehörden haben „erneut einen schweren Terroranschlag in Deutschland verhindert“, erklärt Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) gestern, tritt am Rande der Feierlichkeiten zum 500. Reformationstag in Wittenberg mit ernster Miene vor die Kameras. Lob für die Einsatzkräfte von Verfassungsschutz, Kriminalpolizei und den Sonderpolizeieinheiten von Bund und Ländern. Der Zugriff sei „zum richtigen Zeitpunkt“ erfolgt, um Beweise zu sichern und die Gefahr „zuverlässig zu bannen“, sagt de Maizière. Der Fall Yamen A. habe belegt, dass die Behörden „wenn nötig entschlossen und konsequent vorgehen“.

Große Sorgen, aber auch ein Funken Erleichterung. Diesmal ist es noch gut gegangen, wurde der Verdächtige rechtzeitig aus dem Verkehr gezogen. Doch der Fall belegt keine zwölf Monate nach dem Terroranschlag auf den Weihnachtsmarkt auf dem Berliner Breitscheidplatz aufs Neue die hohe Bedrohung durch den islamistischen Terror in Deutschland. Steckt die Dschihadisten-Miliz „Islamischer Staat“ hinter den jetzt durchkreuzten Plänen?

Die Bundesanwaltschaft bestätigt: Yamen A. hatte über das Internet Kontakt zu einer Person, die sich als „Soldat des Kalifats“ ausgegeben hatte. „Wir wissen aber nicht, wer diese Person ist, und wir wissen nicht, ob er ihn (den 19-jährigen Syrer) in seinen Plänen bestärkt hat“, sagt Frauke Köhler, Sprecherin der Bundesanwaltschaft. Yamen A., ein „einsamer Wolf“, radikalisiert im Internet, oder ein verhinderter Attentäter im Auftrag des IS – das ist noch unklar. Ermittelt wird zunächst nicht wegen Mitgliedschaft in einer Terrororganisation, sondern wegen Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Straftat.

Alarmstimmung in Bundesregierung und Sicherheitskreisen. Schon im Juli hatte sich Yamen A. nach Angaben der Bundesanwaltschaft entschieden, einen schweren Anschlag zu verüben, möglichst viele Menschen zu töten, die Vorbereitungen waren sehr konkret: Der vor zwei Jahren nach Deutschland gekommene junge Mann, inzwischen als Flüchtling anerkannt, hatte sich Chemikalien, Funkgeräte und Batterien für ein Handy besorgt, zudem einen Messbecher und ein Thermometer, um den besonders explosiven Sprengstoff TATP herzustellen. Per Handy wollte er die Bombe fernzünden, sagte die Sprecherin der Bundesanwaltschaft, Köhler. An der Zündvorrichtung habe Yamen A. bereits gebastelt, die Funkgeräte manipuliert, die Komponenten für die Hauptladung hatte er sich aber noch nicht besorgt. Auch über ein konkretes Anschlagsziel ist den Behörden gestern noch nichts bekannt.

Der Zugriff war akribisch vorbereitet, zeitgleich wird gestern in Schwerin und Hamburg zugeschlagen. Anti-Terror-Einsatz in letzter Minute. Anders als im Fall des Berlin-Attentäters Anis Amri, den die Behörden vom Radar verloren hatten, wurde Yamen A. von einem mobilen Einsatzkommando „rund um die Uhr“ überwacht, rechtzeitig gestoppt und gestern bereits stundenlang vernommen, so die Bundesanwaltschaft.

Die Festnahme des Syrers fällt mitten in die Jamaika-Sondierungen von Union, FDP und Grünen und befeuert die Debatte über die Befugnisse der Behörden. Der Fall zeige, „dass unsere Sicherheitsbehörden gut aufgestellt sind und eine qualitativ hervorragende Arbeit leisten“, sagte Stephan Mayer (CSU), Innenexperte der Unions-Bundestagsfraktion. Er warnt im Gespräch mit unserer Redaktion: „Umso fahrlässiger und gefährlicher wäre es angesichts der großen Herausforderung, wenn auf Druck der Grünen und der FDP bei den Verhandlungen über die Jamaika-Koalition essentielle und wichtige Befugnisse der Sicherheitsbehörden und der Nachrichtendienste, wie beispielsweise die Vorratsdatenspeicherung, die Videoüberwachung oder die Quellen-Telekommunikationsüberwachung, eingeschränkt oder abgeschafft werden würden.“



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