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Angriff mit „Moab“-Bombe in Afghanistan : Kommentar: „Mutter aller Bomben“ galt nicht Terroristen, sondern der Welt

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Den Terroristen galt die Bombe zuletzt. Gedanken machen sollten sich Nordkorea, Iran und Russland – und die Europäer.

svz.de von
erstellt am 14.Apr.2017 | 15:03 Uhr

Dieser US-Präsident bleibt unberechenbar. Erst warnt er vor Angriffen in Syrien. Dann jagt er trotz unklarer Lage ein paar Raketen hinein und wird dafür auch noch gefeiert. Inspiriert von diesem PR-Erfolg – wann hatte Trump schon einmal eine gute Presse? – legt er gleich nach: Als kriegerischen und zeitlich irgendwie auch geschmacklosen Oster-Gruß ließ er erstmals seine Moab-Monster-Bombe in Afghanistan abwerfen. Verstehen lässt sich das auch als Wink an Nordkorea und den Iran. Ein paar Terroristen dürften jedenfalls kaum das Ziel einer so mächtigen Waffe allein gewesen sein. Ihre Botschaft galt der Welt. Selbst innenpolitisch und im Bündnis wird sie ihre Wirkung entfalten – siehe die Reaktionen auf Syrien.

Auch an anderer Stelle überrascht Trump zuverlässig. Eine der wenigen Hoffnungen an ihn hatte sich damit verbunden, dass er den Ausgleich mit Russland suchen könnte. Dann verschlechterte sich das Verhältnis, wie Russlands Präsident Wladimir Putin beim Besuch des amerikanischen Außenministers in diesen Tagen ebenso verbittert wie berechtigt bemerkte.

Zu klagen hilft aber nicht. Folgen muss stattdessen für Europa die Einsicht, dass auf den amerikanischen König der Kehrtwenden kein Verlass ist. Parallel muss klar sein, dass sich die deutschen Interessen von denen der Amerikaner einerseits, der Russen andererseits unterscheiden. Es lässt sich zum Beispiel nicht oft genug sagen: Ein Keil zwischen Russland und dem Westen liegt im amerikanischen Interesse, nicht in unserem. Auch im Mittleren Osten wirken Kräfte, die nichts mit Europa und übrigens auch nichts mit dem Kampf für eine freie Welt zu tun haben. Beide Mächte blicken zudem stark auf den pazifischen Raum. Aus europäischer Sicht liegt er fern, für die USA und Russland hat er eine mindestens gleiche, wenn nicht realistischerweise größere Bedeutung.

In dieser Lage müssen die Leitlinien der europäischen Politik lauten: maximale Geschlossenheit innerhalb der EU, kein weiterer Krawall gegenüber Moskau, deutliche Unabhängigkeit gegenüber Washington. Alles andere basiert auf Wunschdenken.

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