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«Immer noch in Verhandlungen» : Klimaschutz ohne USA: G20-Gipfel ringt um Einigkeit

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Selten hat ein Thema die G20 so gespalten. Nach dem Ausstieg von US-Präsident Trump aus dem Klimaschutzabkommen ringt Merkel um eine gemeinsame Linie auf dem G20-Gipfel. Um das Klima zu retten, müssten die Top-Wirtschaftsmächte aber eigentlich viel mehr tun.

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erstellt am 06.Jul.2017 | 22:05 Uhr

Die Differenzen mit US-Präsident Donald Trump im Klimaschutz überschatten den G20-Gipfel in Hamburg. Während die anderen G20-Staaten das Pariser Klimaabkommen zügig umsetzen wollen, ringen die Verhandlungsführer um die Sprache im Abschlusskommuniqué.

In einem Entwurf, der der Deutschen Presse-Agentur vorliegt, werden die Meinungsverschiedenheiten nach dem Rückzug Trumps vom Pariser Klimaabkommen festgehalten. Das wäre für die sonst um Einheit bemühte Gruppe der Industrieländer und aufstrebenden Wirtschaftsnationen ein ungewöhnlicher Vorgang.

In dem Entwurf erteilen die anderen G20-Staaten Neuverhandlungen eine Absage, indem das historische Abkommen als «unumkehrbar» bezeichnet wird. Sie sicher eine «schnelle Umsetzung» zu. Den Rückzug der USA nehmen sie nur «zur Kenntnis». Weiter heißt es in dem Entwurf: «Die USA bestätigen ihr starkes Bekenntnis zu einem globalen Ansatz, der Treibhausgase verringert, während Wirtschaftswachstum unterstützt und den Bedürfnissen der Energiesicherheit nachgekommen wird.»

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) sagte auf die Frage, wie ein Kompromiss beim Klimaschutz aussehen müsse, damit es keine 19:1-Konfrontation mit Trump gebe: «Wir sind immer noch in den Verhandlungen. Es gibt verschiedene Optionen, die besprochen werden können.» Klar sei nur: die USA seien aus dem Pariser Abkommen ausgestiegen, viele andere Gipfelteilnehmer stünden weiter zu dieser Vereinbarung. China lehnt eine Erklärung ohne die USA ab. «Niemand sollte ausgeschlossen werden», sagte Vizefinanzminister Zhu Guangyao.

An den Diskussionen der Staats- und Regierungschefs über den Klimaschutz wird Trump aber möglicherweise nicht einmal teilnehmen. Sein lange erwartetes Treffen mit Russlands Staatschef Wladimir Putin findet angeblich parallel zu der Arbeitssitzung am Freitagnachmittag des Gipfels statt, auf der es um nachhaltige Entwicklung, Klima- und Energiefragen gehen sollte.

Umweltgruppen warnten vor einer Aufweichung des Klimaschutzes und übten scharfe Kritik an der Formulierung mit dem «globalen Ansatz» im Entwurf. «Dies läuft dem Pariser Abkommen zuwider, das ausdrücklich nationale Verpflichtungen beim Klimaschutz vorsieht», sagte Tobias Münchmeyer von Greenpeace. «Es wäre eine Lizenz zum Nichtstun!»

Auch wollten sich die G20-Teilnehmer nur auf bereits vereinbarte Ziele festlegen. Als Gastgeberin müsse die Kanzlerin weiter gehen, forderte Münchmeyer. «So wie die G20-Länder Frankreich, Indien und Südkorea schon mehr tun wollen, so muss auch Merkel beim Klimaschutz draufsatteln.» Da komme die Kanzlerin am Kohleausstieg nicht vorbei.

Klimaschützer mahnten, dass viel größere Verpflichtungen der G20-Mitglieder erforderlich seien, um das Pariser Ziel einer Erderwärmung von deutlich unter zwei Grad auch wirklich zu erreichen. «Das Schicksal des Planeten ist in ihren Händen», sagte der Vorsitzende des deutschen Klimakonsortiums, Mojib Latif. «Wir können nicht mehr Zeit verlieren.» Auch das Zwei-Grad-Ziel sei nur ein politischer Kompromiss. «Ich weiß nicht, ob die Natur da mitmacht.»

Schon heute sei die Erderwärmung in Deutschland mit mehr heißen Tagen und häufigeren Überschwemmungen stark spürbar, sagte Paul Becker, Vizepräsident des Wetterdienstes. Die Temperaturen erhöhten sich in Deutschland um 40 Prozent schneller als im globalen Durchschnitt. In einem Vergleich der Klimaschutz-Bemühungen der G20-Staaten kommt Deutschland wegen der weiter starken Kohlenutzung hinter Italien, Brasilien und Frankreich nur auf Platz Vier.

Kein einziger G20-Staat steuert im Klimaschutz auf dem richtigen Weg, um die Ziele des Pariser Abkommens zu erreichen, wie der G20-Klimaschutz-Index feststellt, den Germanwatch und das NewClimate Institute in Hamburg vorstellten. Die USA und Saudi-Arabien liegen am unteren Ende der Rangliste. Die Gruppe insgesamt sei noch weit von einem verantwortungsvollen Kurs entfernt.

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