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Kindesmissbrauch: Papst entließ 384 Priester

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

svz.de von
erstellt am 20.Jan.2014 | 00:33 Uhr

Der frühere Papst Benedikt XVI. hat in seinen letzten beiden Amtsjahren 384 katholische Priester wegen Kindesmissbrauchs entlassen. Das bestätigte Vatikansprecher Federico Lombardi in Rom. Die Zahlen stammten aus jährlich veröffentlichten Aktivitätsberichten des Vatikans, sagte er. Zunächst hatte Lombardi einen entsprechenden Bericht der Nachrichtenagentur AP vom Freitag zurückgewiesen, sich später aber korrigiert.

Der Skandal um jahrzehntelangen sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen hatte die katholische Kirche in den letzten Jahren weltweit erschüttert – auch in Deutschland kamen zahlreiche Fälle ans Licht. Papst Franziskus, der im vergangenen Jahr auf den aus Altersgründen zurückgetretenen Benedikt folgte, prangerte den Skandal jüngst als „die Schande der Kirche“ an.

Die schlimmsten Fälle von Kindesmissbrauch durch katholische Priester seien seiner Ansicht nach aufgedeckt worden, sagte der ehemalige Chefankläger der Glaubenskongregation im Vatikan, Charles Scicluna gestern . Er erwarte, dass sich die Zahl der wegen Kindesmissbrauchs entlassenen Priester auf etwa 100 im Jahr belaufen werde. Aber: „Jetzt ist nicht die Zeit, nachzulassen.“

Opferverbände kritisieren, die Kirche tue nicht genug zur Aufarbeitung des Skandals und für die Opfer. „Die Opfer werden nach wie vor ausgegrenzt, verschwiegen, verleugnet und vertuscht“, erklärte das Netzwerk Betroffener von sexualisierter Gewalt mit Sitz in Scharbeutz. „Dass eine Täterorganisation ihre eigenen Verbrechen aufarbeiten könnte, ist ein Irrglaube.“

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