Gesundheit : Kassenbeiträge werden steigen

Der Beitrag zur Krankenkasse soll teurer werden: So soll der Arbeitgeber-Anteil steigen
Der Beitrag zur Krankenkasse soll teurer werden: So soll der Arbeitgeber-Anteil steigen

Gesundheitsökonom Prof. Jürgen Wasem: „Medizinischer Fortschritt hat seinen Preis“. Erhöhung des Arbeitgeber-Anteils angeregt

23-73726605_23-73975940_1442568152.JPG von
24. August 2015, 12:00 Uhr

Die Allgemeinen Ortskrankenkassen (AOK) schreiben rote Zahlen. Im ersten Halbjahr verzeichneten sie nach jüngsten Meldungen ein Defizit von 110 Millionen Euro. Die Kasse erklärt den Fehlbetrag mit gestiegenen Kosten für Arzneimittel und Krankenhäuser. Patienten drohen also wieder steigende Beiträge. Unser Korrespondent Rasmus Buchsteiner sprach mit Professor Jürgen Wasem, Gesundheitsökonom an der Universität Duisburg-Essen.

Die Allgemeinen Ortskrankenkassen wieder im Defizit. Andere Krankenkassen machen schon länger ein Minus. Ein Alarmzeichen?
Wasem: Man kann davon ausgehen, dass die Einkommen der Versicherten in Deutschland in diesem Jahr sicher nicht um mehr als drei Prozent steigen werden. Die Ausgaben liegen um deutlich mehr als drei Prozent über dem Vorjahresniveau. Hinzu kommen die Auswirkungen der letzten Finanzierungsreform. In diesem Jahr zahlt der Gesundheitsfonds elf Milliarden Euro weniger an die Krankenkassen. Das war politisch so gewollt.
Deshalb ist absehbar, dass immer mehr auch große Krankenkassen Defizite machen werden. Die Konsequenz ist, dass zum Jahreswechsel die Zusatzbeiträge deutlich angehoben werden müssen.

Wie groß wird der Anstieg ausfallen?
Die Zusatzbeiträge für die Versicherten liegen aktuell im Schnitt etwas unterhalb von 0,9 Prozent. Zu Jahresbegann gab es eine Entlastung um 0,9 Prozentpunkte. Der durchschnittliche Zusatzbeitrag wird im nächsten Jahr irgendwo zwischen 1,1 und 1,2 Prozent liegen. Das heißt, dass die Versicherten unterm Strich wieder mehr zahlen müssen als noch Ende 2014. Die Ausgaben der Kassen werden im nächsten Jahr abermals deutlich stärker steigen als die Einkommen der Versicherten, schon alleine wegen der geplanten Krankenhausreform. 2017 werden die Zusatzbeiträge im Schnitt bei bis zu 1,4 Prozent liegen.

Worauf lassen sich die absehbaren Ausgabensteigerungen der Krankenkassen zurückführen?
Hauptkostentreiber ist wie gesagt die Krankenhausreform. Die Politik probiert hier einen schwierigen Spagat. Einerseits schreiben viele Kliniken rote Zahlen und müssten Hilfen erhalten. Andererseits sollen die Kassenausgaben nicht zu stark steigen. Unterm Strich wird die Reform jährlich bis zu 1,5 Milliarden Euro kosten. Das entspricht ziemlich genau einem Anstieg der Zusatzbeiträge um 0,1 Prozentpunkte. Die Ausgaben der Kassen werden auch deshalb mehr, weil die Arzneimittelkosten deutlich stärker steigen als die Einkommen der Versicherten. Auch die Aufwendungen für die Ärzte werden zunehmen. Mediziner haben wegen des Versorgungsgesetzes in vielen Regionen den Anspruch auf einen Honorar-Nachschlag. Das treibt Kosten zusätzlich in die Höhe.

Müsste die Große Koalition jetzt nicht die Kostenbremse ziehen?
Medizinischer Fortschritt hat seinen Preis. Und in Zeiten einer zunehmend alternden Bevölkerung steigen die Gesundheitsausgaben ohnehin schneller. Da fällt es schwer gegenzusteuern. Kostendämpfung ist eine schwierige Gratwanderung. Die Politik hat entschieden, erst einmal den Arbeitgeberbeitrag zur gesetzlichen Krankenversicherung einzufrieren, um so die Wirtschaft bei den Lohnnebenkosten nicht zu überfordern.

Mittelfristig wird man sicherlich auch wieder über einen höheren Arbeitgeberbeitrag nachdenken müssen. Priorität hat aber, dass der Bundeszuschuss im kommenden Jahr wieder auf die angestrebten 14 Milliarden Euro erhöht wird, damit die Rücklagen der gesetzlichen Krankenversicherung nicht zu schnell aufgebraucht werden.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen