Überzeugter Europäer : Kapazitäten bis zum Limit belastet

Rechtsanwalt Daniel Röder, Mitbegründer von 'Pulse of Europe'.
Rechtsanwalt Daniel Röder, Mitbegründer von "Pulse of Europe".

Im Interview bekundet der Gründer der proeuropäischen Bürgerbewegung „Pulse of Europe“, wie er und seine Mitstreiter vom Erfolg überrumpelt wurden

svz.de von
10. April 2017, 11:55 Uhr

Am Wochenende folgten wieder viele tausend Menschen dem Aufruf der Initiative „Pulse of Europe“. Mit deren Gründer, dem Frankfurter Rechtsanwalt Daniel Röder, sprach Tobias Schmidt.


Herr Röder, „Es wird immer wichtiger“, hieß es im jüngsten Aufruf. Warum?
Röder: In Frankreich wird in zwei Wochen gewählt, dort sind jüngst wieder viele nationalistische Sprüche geklopft worden und nicht nur von Marine Le Pen, auch von Gruppierungen der extremen Linken. Die antieuropäische Stimmung im Land ist groß. Das gleiche gilt für Osteuropa. Deswegen wird es immer wichtiger, ein klares Bekenntnis gegen Nationalismus und gegen Europas Spaltung abzugeben.


Ist der proeuropäische Präsidentschaftskandidat Emmanuel Macron schon mitmarschiert?
Nein. Offen gesagt ist es ausgerechnet in Frankreich besonders schwierig. In Paris sind vorigen Sonntag nur 350 Menschen zusammengekommen. Auch eine proeuropäische Medienberichterstattung gibt es kaum, weil engagierte Redakteure von ihren Chefs gebremst werden. Das stimmt uns sehr nachdenklich.
 

Ist Frankreich entscheidend für die Einheit Europas?
Laut Umfragen hat Marine Le Pen wenig Chancen auf die Präsidentschaft. Aber beim Brexit und der US-Wahl sind wir im vergangenen Jahr von Prognosen schon zwei Mal böse überrascht worden. Selbst wenn Le Pen nicht gewinnen würde, steht mindestens ein Drittel der Wähler hinter ihr und damit gegen Europa!
 

Für wie akut halten Sie die Bedrohung einer Spaltung?

Die Gefahr ist sehr groß. Es gibt Fliehkräfte an allen Ecken und Enden, vom Brexit verstärkt. Der Gibraltar-Konflikt zwischen Spanien und Großbritannien kann hochkochen. In Ungarn werden die nationalistischen Töne immer schärfer, in Polen sind wir selbst von der Aushöhlung des Versammlungsrechts betroffen. Das alles hat großen Einfluss auf den Zustand der EU.


Was konnte Ihre Bewegung schon erreichen?
Wir haben es geschafft, dass sich die Einstellung der Menschen ändert: Sie kamen zunächst voller Sorgen und Ängste auf die Plätze. Nun erleben wir bei ihnen Zuversicht, Optimismus, Handlungsstärke. Da findet eine Verwandlung statt aus der Schockstarre zum „Wir tun was“.
80 europäische und deutsche Städte machen mit.

War das geplant?
Mit diesem Erfolg haben wir niemals gerechnet. Davon wurden wir überrumpelt und müssen jetzt sehen, wie wir damit zurechtkommen, wir sind alle ziemlich am Limit. Wir überlegen gerade, wie wir der Bewegung festere Strukturen geben können. Es wird aber kaum gelingen, nach der Wahl in Frankreich weiter jede Woche auf die Plätze zu ziehen. Dafür fehlen uns die Kapazitäten. Eine Partei wird aus „Pulse of Europe“ nicht entstehen, und ich plane auch keine Karriere in der Politik.
 

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