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Women20-Summit : Kanzlerin trifft Anfängerin

vom
Aus der Onlineredaktion

Angela Merkels Politik mit der US-Präsidenten-Tochter Ivanka Trump

Ivanka Trump versucht es zumindest. Die First Daughter, so ihr offizieller Titel, bemüht sich, bei den Zuhörerinnen eine Lanze für ihren Vater Donald zu brechen. Den US-Präsidenten, der sich gegenüber Frauen schon so abfällig verhalten hat. Auf dem Podium der internationalen Frauenkonferenz „Women20 Summit“ schwärmt die große schlanke Frau, sie sei sehr stolz, dass ihr Vater sich schon seit langem für Familien einsetze. Lautes Aufstöhnen im Saal.

Ja, sie habe die „Kritik gehört in den Medien“, schiebt Ivanka Trump nach. Es geht um anzügliche, sexistische, herabwürdigende Äußerungen von Donald Trump über Frauen, die Medien im Original verbreiteten oder die in Live-Interviews zu hören waren. Ivanka Trump lächelt das auf der Bühne weg. Aus eigener Erfahrung wisse sie, dass ihr Vater Frauen schätze, auch in der Arbeitswelt. Und so habe er sie auch groß gezogen – und als Beraterin ins Weiße Haus geholt.

Die First Daughter sitzt gestern in einer Diskussion mit Kanzlerin Angela Merkel, der niederländischen Königin Maxima, Kanadas Außenministerin Chrystia Freeland und der Chefin des Internationalen Währungsfonds, Christine Lagarde. Thema: Benachteiligung von Frauen in der Arbeitswelt und die mögliche Abhilfe. Die Runde beklagt schlechtere Bezahlung für Frauen, Mentalitätsprobleme in der Wirtschaft, Mangel an Chefinnen in Unternehmen. Keine Sorgen einer Milliardärstochter.

Merkel berichtet über ihre Erfahrungen in der CDU, über ihre Zeit als Frauenministerin, beklagt sich über trotzige Firmen, die den Ruf nach mehr weiblichen Führungskräften nichtstuend aussitzen.

Normalerweise trifft sich Merkel nicht mit Töchtern von Präsidenten zu Polit-Runden. Schließlich kann die mächtigste Frau der Welt direkt mit dem Vater sprechen und muss nicht mit Nachwuchs ohne Entscheidungsmacht Vorlieb nehmen. Wieso also sitzt sie überhaupt mit der First Daughter bei diesem Frauen- Gipfel? „Bin ich der einzige, der es völlig absurd findet, dass die Bundeskanzlerin jetzt Außenpolitik mit der Tochter von Donald Trump macht?“ fragt SPD-Mann Lars Klingbeil.

Macht sie aber gar nicht. Es geht um Frauenpolitik. Und Frauen ticken anders. Als Merkel im März in Washington war, saß sie schon einmal mit Ivanka Trump an einem Tisch. Donald Trump hatte eine Runde von hochrangigen Wirtschaftsvertretern, darunter die deutschen Chefs von Siemens und BMW, zu dem Treffen mit Merkel eingeladen. Und da waren auch seine Beraterin – und Unternehmerin – Ivanka sowie deren Ehemann Jared Kushner, ebenfalls ein Topberater des US-Präsidenten, dabei.

Dort wurde eingefädelt, dass Ivanka Trump zu dem „Women20 Summit“ (W20) kommt, dem Frauengipfel im Rahmen der deutschen Präsidentschaft für das G20-Treffen im Juli in Hamburg. Es wird spekuliert, dass Merkel (62) den Einfluss von Ivanka auf den Vater ausloten wollte. Wenn sie mit der Tochter gut kann und diese für Themen gewinnt, die ihren Vater weniger interessieren, könnte das womöglich helfen.

Aber ist die 35-Jährige tatsächlich die große Präsidenten-Flüsterin? Sie selbst bezeichnet sich in Berlin als Polit-Neuling. „Ich bin noch ganz am Anfang. Ich höre zu, ich lerne viel“, sagt sie. „Ich bin auch ganz neu in dieser Rolle.“

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erstellt am 25.Apr.2017 | 21:00 Uhr

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