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Krawall beim G20-Gipfel : Kampfzone Hamburg: „Wie ein kleiner Krieg“

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Brennende Autos, Straßenblockaden und dichter Rauch: Schwere G20-Krawalle in Hamburg

svz.de von
erstellt am 07.Jul.2017 | 20:55 Uhr

Die einen räumen auf, die anderen bringen sich in Sicherheit: Nach einer Krawallnacht vor dem Start des G20-Gipfels in Hamburg eskaliert am ersten Tag des Treffens die Lage in der Hansestadt erneut. Sitzblockaden, Rangeleien zwischen Demonstranten und Polizei, zahlreiche brennende Autos und beschädigte Streifenwagen bestimmen gestern das Bild an verschiedenen Orten der Hansestadt. Und das ist noch nicht alles.

Die Gruppe „Block G20 – Colour the red zone“ kündigt an, in die engste Hochsicherheitszone vorzudringen. Mit Sitzblockaden werden Straßen und Kreuzungen versperrt, die Polizei setzt Wasserwerfer ein. Mehrere Menschen auf Bahngleisen sorgen für Streckensperrungen. Im Hafen blockieren Demonstranten einen wichtigen Knotenpunkt, Lastwagen stauen sich auf einer Zufahrt zur Köhlbrandbrücke, die die Elbinsel Wilhelmsburg mit der Autobahn A7 verbindet. Bengalische Feuer werden gezündet. An mehreren Punkten der Stadt kesseln Beamte Protestler ein. Bis gestern Abend gibt es nach Polizeiangaben 159 verletzte Beamte. Dass es auch verletzte Demonstranten gibt, ist klar – unklar ist, wie viele. 70 Menschen werden festgenommen, 15 kommen in Gewahrsam.

Anderswo in der Hansestadt ist es aber fast schon gespenstisch still: Straßen sind entweder ganz oder nur für die An- und Abreise der Staats- und Regierungschefs zum Tagungszentrum Messegelände gesperrt, Radfahrer haben freie Fahrt, Busse machen vor der Innenstadt kehrt.

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„Ich bin seit 24 Jahren bei der Stadtreinigung und war schon nach vielen Veranstaltungen im Einsatz, aber so etwas habe ich noch nicht gesehen“, sagt Andreas W., der – an seinem 53. Geburtstag – mit der Kehrmaschine unterwegs ist. „R.I.P. Papierkorb.... Mit Kehrmaschinen und 15 Mitarbeitern von 0.30 bis 4.00 unterwegs gewesen“, schreibt die Stadtreinigung gestern Morgen auf Twitter als Kommentar auf das Foto eines völlig zerstörten Papierkorbs in der Schanze. Einige Stunden später sitzen Bewohner und Touristen vor den Straßencafés des Viertels und genießen den – zumindest hier – friedlichen Sommermorgen.

Der Energieelektroniker Björn M. aus Hannover steht derweil verärgert vor seinem Mietwagen mit zertrümmerten Scheiben. Den gebuchten Tiefgaragenplatz habe er am Vortag nicht mehr erreichen können, weil alles abgesperrt gewesen sei. „Ich könnte kotzen!“, sagt der 43-Jährige. „Demonstration ja, aber nicht auf diese Weise!“

Mehr als 19 000 Polizisten schützen das zweitägige erste G20-Gipfeltreffen in Deutschland. „Keinen einzigen habe ich in der Nacht in unserer Straße gesehen“, berichtet Carmen Meins, die seit 52 Jahren im Schanzenviertel lebt und in einer Nebenstraße wohnt. „Die jagen die Demonstranten alle in die kleinen Gassen, aber von der Polizei sieht man nix“, sagt sie, während sie die Scherben vor dem Haus zusammenfegt. „So schlimm habe ich das noch nie erlebt. Das war wie ein kleiner Krieg.“

 

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