Kampf um wichtigsten Chefposten in Brüssel ist eröffnet

Europäische Sozialdemokraten haben Martin Schulz zum Spitzenkandidaten für die Europawahl gekürt / CDU unterstützt Luxemburger Jean-Claude Juncker

svz.de von
02. März 2014, 13:55 Uhr

Martin Schulz strahlt und winkt. Küsschen, Glückwünsche und Ovationen hier im „Palazzo Dei Congresso“ im Süden Roms. Europas Sozialdemokraten kürten erstmals überhaupt einen gemeinsamen Spitzenkandidaten für eine Europawahl.

Schulz als Trumpf? Selbstbewusst beansprucht der 58-jährige für den Fall eines Wahlsiegs am 25. Mai das Amt des EU-Kommissionspräsidenten für sich. Dafür holte er sich am Wochenende die Rückendeckung der rund 400 Delegierten beim Wahlkongress der europäischen Sozialdemokratie in Italiens Hauptstadt.

Er wolle der erste Kommissionspräsident in der Geschichte sein, „der nicht das Ergebnis eines Hinterzimmerdeals ist“. Nach dem Vertrag von Lissabon müssen die Mehrheitsverhältnisse im Europäischen Parlament bei der Auswahl des neuen „Mister Europe“ berücksichtigt werden. „Dieses Mal werden wir die Wahl gewinnen“, verspricht Schulz.

Die Kandidatur des bisherigen Präsidenten des Europaparlaments – ein Prestigeprojekt für die SPD. Bisher nimmt in Deutschland zwar noch kaum jemand Notiz von den Vorbereitungen für die Europawahl. Doch geht es nach Sigmar Gabriel, sollte sich das bald ändern. In Rom zeigt sich der SPD-Vorsitzende jedenfalls schon in Wahlkampf-Modus und preist Parteifreund Schulz in den höchsten Tönen. „Er hat ein Herz dort, wo andere einen Paragrafen haben“, lobt Gabriel. Schulz habe auch die schwierigen und bitteren Seiten des Lebens kennen gelernt. Und könne sich deshalb besonders gut in Rentner und Arbeitslose hineinversetzen, die Opfer der Eurokrise geworden seien.

91 Prozent für Schulz, nur zwei Nein-Stimmen: Die Vertreter der britischen „Labour Party“ enthielten sich, weil auf der europaskeptischen Insel kaum jemand Verständnis dafür hätte, wenn sie den überzeugten Europäer Schulz unterstützen würden. Gabriel hatte die britischen Delegierten buchstäblich in letzter Minute noch von einem Nein abgebracht.

Merkel unterstützt als CDU-Chefin den Luxemburger Jean-Claude Juncker, der nächstes Wochenende in Dublin offiziell zum Kandidaten der Konservativen gekürt werden soll.



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