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US-Wahlen 2016 : Ja zu Hillary und der Traum von Michelle

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Demokraten nicken Nominierung Clintons ab – und feiern die Präsidentengattin

svz.de von
erstellt am 27.Jul.2016 | 21:00 Uhr

Viele unter den Delegierten sprechen von einer „ganz großen Rede“. Andere machen keinen Hehl aus dem Gedanken, dass sie eine gute Präsidentin wäre. Die Rede ist nicht von Hillary Clinton, die am Dienstagnachmittag wie erwartet offiziell als Präsidentschafts-Kandidatin nominiert worden ist. Nein, 24 Stunden nach ihrem Auftritt beschäftigt die First Lady Michelle Obama immer noch die Gemüter. Und schnell gab es sogar einen Twitter-Hashtag mit der Devise „ElectMichelle“ („Wählt Michelle“). Dafür ist es jetzt zwar in Philadelphia zu spät, aber manche Medien glauben, dass ihre Ansprache „in die Geschichte eingehen wird“ (Magazin „Elle“).

War es möglicherweise der Grundstein für eine eigene Kandidatur 2020 oder 2024 – dann, wenn die beiden Töchter längst aus dem Haus sind und der sportversessene Ehemann auf Hawaii lebt, wo er ja am liebsten seine Pensionärszeit täglich auf dem Golfplatz verbringen würde?

Nichts wäre undenkbar in einem politischen Amerika, wo zuletzt vor allem die Familien Bush und Clinton Präsidenten und Präsidentschaftsbewerber stellten. Und keiner weiß wohl besser wie die gelernte Juristin aus Chicago, wie schnell eine einzige Rede ein politisches Talent nach oben spülen kann. Gesehen hat es die 52-Jährige auf dem Demokraten-Parteitag 2004 in Boston, als ein junger Senator namens Barack Obama ans Podium trat und ein unabhängig von Hautfarben vereintes Amerika beschwor. Die Delegierten ahnten damals: Dieser Mann hat enormes Potenzial. Vier Jahre später katapultierten Charisma, ein Berg von Versprechen, die Hoffnung auf Wandel und die Bush-Müdigkeit Barack Obama ins höchste Amt.

Zwar hat Michelle Obama in den wenigen Interviews, die sie bisher gegeben hat, eher wenig Interesse an einer politischen Karriere gezeigt und stattdessen immer wieder – und für manche US-Bürger angesichts des großen Helferstabs etwas befremdlich – darüber geklagt, wie schwer doch das Leben einer First Lady sei, die so viel reisen müsse. Doch auch Hillary Clinton hielt sich als Senatorin lange zurück, bis sie endlich öffentlich bekannt gab, nun die letzte Stufe in ihrem Lebensplan erklimmen zu wollen. Ob die Parteitagsrede von Michelle Obama wie prophezeit in die Geschichte eingehen wird, scheint eher fraglich. Inhaltlich hat die Juristin eigentlich nicht mehr getan als einfühlsam über die Zukunft ihrer beiden Mädchen und des Nachwuchses der Wähler zu philosophieren und dann das Bild vom bösen Donald Trump an die Wand zu malen, ohne ihn ein einziges Mal beim Namen zu nennen. Vermutlich hat Barack Obama an der Ansprache sogar mitgearbeitet.

Doch Geschichte schreiben könnte die zur Mode-Ikone gewordene First Lady mit einer zukünftigen Kandidatur allemal – und es dann als erste schwarze Frau zur Präsidentin schaffen.

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