zur Navigation springen

Pressekonferenz : Ist Donald Trump ein Rassist?

vom
Aus der Onlineredaktion

Bizarre Pressekonferenz: Lob nur aus ultrarechter Ecke. Berater sehen Präsidenten als unkontrollierbar

svz.de von
erstellt am 16.Aug.2017 | 21:00 Uhr

Der prominente Historiker David Gergen stellte am Dienstagabend die Frage aller Fragen: „Ist Donald Trump zu einer Gefahr für unser Land geworden?“ Die Antwort lieferte Gergen, der einst für Richard Nixon arbeitete und seitdem die US-Präsidenten analysierend begleitet, gleich mit: „Ich denke schon.“ Es ist nur eine von zahllosen Reaktionen auf die Pressekonferenz des US-Präsidenten, die er in seinem Tower in New York abhielt – und die einen CNN-Moderator wenig später zu der bisher beispiellosen Bewertung veranlasste, Trump sei ein Rassist.

Vorausgegangen war ein skurril anmutender Auftritt, bei dem der Präsident frühere Aussagen zu den Gewaltaktionen von Charlottesville erneut relativiert und unverhohlen in einigen Momenten Sympathien für einen Teil der rechtsextremen Demonstrantenszene geäußert hatte, die in Virginia mit ebenso gewaltbereiten linken Aktivisten zusammengeprallt war. Trump hatte unter anderem von „sehr anständigen Leuten“ unter den Rassisten gesprochen, die in Sprechchören auch gegen Juden und Schwarze Stimmung gemacht hatten. Ein ultrarechter Täter war mit seinem Auto in Gegendemonstranten gefahren, eine Frau starb.

Für Trump, der seit Monaten Negativschlagzeilen zu entkommen sucht und dessen neu berufener Stabschef John Kelly für Zucht und Ordnung im Weißen Haus sorgen soll, sei die Pressekonferenz „ein neues Tief“ gewesen, kommentierte gestern die „Washington Post“. Der Präsident habe der Nation gesagt, was er wirklich über Charlottesville gedacht habe, und es sei „häßlich“ gewesen.

Auch in der eigenen Partei wächst der Unmut über eine Führungsfigur, die mittlerweile als unkontrollierbar auch von engsten Beratern angesehen wird. Den Kopf gesenkt und die Arme verschränkt, hatte Kelly mit starrer Miene den Auftritt Trumps in New York verfolgt. Führende Republikaner – von Repräsentantenhaus-Sprecher Paul Ryan bis zu Ex-Präsidentschaftskandidat John McCain – distanzierten sich in Stellungnahmen von Trump.

Lob hatte es für den Auftritt des Präsidenten nur aus einer Ecke gegeben. Der prominente Rechtsnationalist David Duke – ein Holocaust-Leugner und ehemaliger Ku Klux Klan-Führer – bedankte sich ausdrücklich bei Trump über Twitter dafür, „die Wahrheit“ gesagt zu haben.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen