Kommentar : Ist die Bundeswehr noch ganz dicht?

Das Werbeplakat der Bundeswehr
Das Werbeplakat der Bundeswehr

Mit der Werbekampagne „Gas, Wasser, Schießen“ sucht die Truppe Klempner

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06. Juni 2019, 20:00 Uhr

Werbung braucht Aufmerksamkeit und lebt von Assoziationen. „Gas, Wasser, Schießen“ heißt der Slogan einer Werbekampagne der Bundeswehr mit der um Handwerker in der Armee geworben werden soll und die für heftige Diskussionen sorgt. Auch wenn die Plakate bislang nur in Berlin und Hamburg hängen – die Wellen schlagen bis nach Mecklenburg-Vorpommern. „Eine Armee, die mit einer derartigen Kampagne wirbt, macht sich beim Thema politische Bildung unglaubwürdig“, meint Simone Oldenburg, Links-Fraktionschefin im Schweriner Landtag. In den sozialen Netzwerken brach gestern ein wahrer Shitstorm gegen das Stellengesuch der Bundeswehr los. Werbefachmann Mario Sixtus schreibt auf Twitter seinen 125 000 Followern: „Deutsche in Uniform hantieren mit ,Gas‘. Da muss einfach bei jedem auch nur viertelsensiblen Werbetexter die Alarmanlage angehen.“

Alf Frommer, Creative Director einer Kommunikationsagentur, sieht das ähnlich. „Die meinen das scheinbar ernst. Übrigens hat die deutsche Armee 1915 als erste Armee Gas eingesetzt. Wer gibt das frei?“, schreibt er ebenfalls auf Twitter. Der Tweet wurde bis gestern Nachmittag 830mal geteilt.

Über mangelnde Aufmerksamkeit können sich die Macher der Werbekampagne, die noch bis Ende Juli auf Plakaten und im Internet zu sehen sein soll, also nicht beklagen. Und was ist mit den Assoziationen, von denen Werbung lebt?

Die Bundeswehr selbst verweist auf den Kontext mit der Klempnerfirma Röhrich in der Comikverfilmung „Werner – Beinhart“ von Brösel Feldmann. „Gas, Wasser, Scheiße.“ Der Satz passte bestens zu Meister Röhrich. Eine Sprecherin der Bundeswehr erklärte dazu, man wolle ansprechend und humorvoll sein und den Ruf nach dringend gesuchten Handwerkern mit einem Augenzwinkern transportieren.

Aber wer mit der Aneinanderreihung von „Gas“ und „Schießen“ für eine militärische Organisation wirbt, weckt automatisch Assoziationen zu Massenvernichtungsmitteln und zu unrühmlichen Teilen deutscher Geschichte. Mehr als 100 000 Menschen starben im Ersten Weltkrieg qualvoll im Giftgas, Millionen litten bis zum Schluss ihres Lebens an den schweren Verätzungen. Das weiß man in der Bundeswehr natürlich. Unverständlich ist deshalb, dass dort die Verantwortlichen versuchen, ausgerechnet mit „Gas“ und „Schießen“ witzig zu sein. Hat sich die Bundeswehr inzwischen zu einer Klempnerbude degradiert?

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