Ist der Ruf erst ruiniert…

Christian Wulff wird wahrscheinlich freigesprochen – sein Image wird das kaum retten können

Christian Wulff kann erleichtert sein und dem Urteil gelassen entgegenblicken. Dass der Richter am Landgericht Hannover bisher keinen Beleg für Vorteilsnahme im Amt sieht, ist Rückenwind für den gescheiterten Bundespräsidenten.

Bisher ist der Prozess ganz in Wulffs Sinne gelaufen: Ein passiver Staatsanwalt, der sich im Verfahren kaum die Mühe macht, Fragen zu stellen oder nachzuhaken, und noch dazu keinen großen Belastungszeugen präsentieren kann. Die Beweisführung des Chefanklägers ist bislang dürftig. Nichts deutet darauf hin, dass sich das noch ändern wird. Ein Freispruch vorm Landgericht – darum kämpft Wulff. Es wäre für ihn ein wenig Ehrenrettung.

Jetzt droht eine peinliche Geduldsprobe vor Gericht. Der vom Richter angeregten Verkürzung zuzustimmen, hätte einen erheblichen Gesichtsverlust für Staatsanwalt Clemens Eimterbäumer bedeutet. Schließlich waren es der von ihm erklärte Anfangsverdacht und die Eröffnung des Ermittlungsverfahrens, die im Februar 2012 den Rücktritt des Staatsoberhaupts unvermeidlich werden ließen. Nicht unwahrscheinlich, dass der Ankläger nach einem möglichen Freispruch Wulffs noch in Revision geht.

Mögen die Richter die letzten verbliebenen strafrechtlichen Vorwürfe gegen den Ex-Präsidenten auch als unbegründet ansehen: Wulff hat sich politisch angreifbar gemacht, weil er zwischen privaten und politischen Belangen nicht genug getrennt hatte. Ein System des informellen Gebens und Nehmens, Gefälligkeiten von Männerfreunden und ein fehlendes Gespür dafür, was sich gehört und was nicht – das hat ihn letztlich zu Fall gebracht.

Am fatalen Image eines Spitzenpolitikers wird ein Freispruch kaum etwas ändern.

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