Iraker soll Polizei vor Terror gewarnt haben

Die Bedrohung war ernst zu nehmen, sagt Ministerpräsident Seehofer / Weiter ist unklar, wie real die Gefahr Silvester in München war

von
04. Januar 2016, 00:32 Uhr

Der Anti-Terror-Einsatz zu Silvester in München wirft viele Fragen auf - und hat die Debatte über schärfere Terrorgesetze neu angefacht. Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) fordert als Konsequenz eine engere Zusammenarbeit mit ausländischen Sicherheitsbehörden. „Auch im neuen Jahr bleibt die Lage sehr ernst“, betonte er. Die CSU dringt auf eine härtere Gangart gegenüber sogenannten Gefährdern.

Nach dem Terroralarm von München fahndet die Polizei weiter nach möglichen Verdächtigen aus Syrien und dem Irak. Unklar blieb aber, welchen realen Hintergrund die Warnungen hatten. Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) sagte: „Die Bedrohung war ernst zu nehmen, und die Behörden haben total richtig reagiert.“

Die Polizei hatte am Silvesterabend den Münchner Hauptbahnhof sowie den Bahnhof im Stadtteil Pasing evakuiert. Der Aktion waren Hinweise befreundeter Geheimdienste vorausgegangen. Ihnen zufolge bestand der konkrete Verdacht, dass fünf bis sieben Anhänger der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) gegen Mitternacht Anschläge wie in Paris verüben wollten.

Ein erster Hinweis auf einen geplanten Anschlag um den 6. Januar herum soll bereits am 23. Dezember bei der Polizei in Karlsruhe eingegangen sein. Ein Iraker habe sich auf dem Polizeirevier gemeldet und angegeben, sein im Irak lebender Bruder kenne die Attentäter, berichteten gestern die Sender SWR und BR. Daraufhin hätten Spezialisten des Landeskriminalamts mit dem Bruder telefoniert. Der Mann soll den Berichten zufolge neben dem Zeitraum um Dreikönig auch als Anschlagsziel den Münchner Nahverkehr und arabische „Allerweltsnamen“ von sieben Männern genannt haben, die bereits in München seien. Der Terroralarm wurde erst ausgelöst, als zu Silvester ein konkreterer Hinweis aus Frankreich die Sicherheitsbehörden erreichte.

Innenminister de Maizière setzt angesichts der Bedrohungslage auf eine bessere Kooperation auf internationaler Ebene. Ähnlich äußerte sich Unionsfraktionschef Volker Kauder (CDU): „Ganz wichtig ist eine enge Kooperation mit den Nachrichtendiensten anderer Länder.“ Die CSU plädiert für neue Anti-Terror-Maßnahmen im Inland. Nach ihren Vorstellungen soll Personen, die im Ausland für eine Terrormiliz gekämpft und eine weitere Staatsbürgerschaft haben, künftig der deutsche Pass entzogen werden können. Außerdem sollten verurteilte Gefährder rund um die Uhr mit einer elektronischen Fußfessel überwacht werden, heißt es in einem CSU-Papier.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen